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Star Trek: The Next Generation

TNG 5.8 – Unification, Part 2

Die beste Szene in dieser Folge zeigt Riker, der in einer Star Wars-Cantina-artigen Bar eine allwissende Bar-Pianistin nach Informationen befragt und mit ihr ein paar Jazzakkorde spielt. Sie unterhalten sich in Hard Boiled-Sprache und als die Pianistin eine klingonische Oper spielt, singt Worf unwillkürlich mit. Außerdem kommt ein fetter Ferengi in die Bar (so wird er auch genannt, Fat Ferengi), dicke Goldkette um den Hals, begleitet von leicht bekleideten Damen. Wo die Autoren einen abstoßenden Charakter brauchen, sind die Ferengi nicht weit. Schauspieler William Bastiani joepescit gegen das Karikatur’eske seiner Figur an. Tasha Yar taucht auch wieder auf (nach Redemption wieder als Bösi). Es ist eine schöne Doppelfolge mit vielen parallel laufenden und abenteuerlichen Handlungssträngen. Es gibt One-Liner, unterhaltsame Action und Spocks Auftritt ist gut. Als Kinofilm wäre Unification besser gewesen als die tatsächlichen TNG-Filme.

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TNG 5.5 – Disaster

Eine schlimme Anomalie trifft die Enterprise ohne Vorwarnung, sodass alles durcheinander wirbelt und der Strom ausfällt. Verschiedene Crew-Mitglieder sind nun in für sie ungewohnten Situationen. Picard steckt mit drei Kindern im Turbolift fest (der den Schacht hinab zu stürzen droht), Counselor Troi ist die höchstrangige Offizierin auf der Brücke und muss das Schiff kommandieren (mit Chief O’Brien und Fähnrich Ro als ihre Unterstellten, deren gegensätzliche Meinungen sie bewerten und in Befehle umsetzen muss), La Forge und Doktor Crusher sind im Hangar und müssen ein Plasmafeuer löschen, Worf muss das Kind von Keiko O’Brien zur Welt bringen, etc.

Wie Worf das macht, streng nach Lehrbuch und jeden seiner Schritte für sich selbst laut aussprechend, ist das Mutigste, was er je gemacht hat. Als Worf das Baby zum ersten Mal weinen hört, muss er unwillkürlich vor Freude lachen, reißt sich aber sofort wieder zusammen. Der rührendste Charakter-Moment der ganzen Serie.

Ähnlich rührend ist Picards Geschichte, da nicht, wie es auf den ersten Blick wirkt, er die Kinder rettet, sondern die Kinder ihn. Er hat sich beim Aufprall der Anomalie das Bein verletzt und glaubt nicht, dass er es schaffen kann, aus dem Turbolift und dann den Fahruhlschacht hinauf zum nächsten Deck zu klettern. Also befiehlt er den Kindern, denen er zur Motivation Offiziersränge verliehen hat, alleine zu klettern und ihn im Fahrstuhl zurück zu lassen. Doch die Kinder weigern sich. Sie wollen entweder alle aus dem Turbolift fliehen oder gar nicht. Kurz nachdem sie den Schacht verlassen haben, fällt die Turboliftkabine runter. Die Kinder haben Picard das Leben gerettet.

Auch Troi bekommt einen großen Moment, wenn sie sich in den Captain-Stuhl setzt. Vorher traut sie sich nicht, bleibt auf Abstand, bewegt sich in großen Kreisen um diesen Stuhl, doch jetzt, nachdem sie ein paar Entscheidungen getroffen, ein paar Befehle gesprochen, setzt sie sich drauf, mit klarem Blick und selbstbewusst die Beine übereinander schlagend. Auch La Forge und Doktor Crusher gehen über ihre Grenzen hinaus, wenn sie sich kurz dem Vakuum des Alls aussetzen, um das zerstörerische Plasmafeuer zu ersticken und dann, selbst fast erstickt, mit letzten Kräften sich zum Druckausgleichsknopf schleppen (der dramaturgisch günstig einige Meter von ihnen entfernt ist). La Forge bricht zusammen, Crusher schafft es geradeso, und sie können wieder atmen.

Einen solchen Multiplot könnte man leicht verhauen, doch jeder der Handlungsstränge ist spannend und teilweise karthatisch. Großartig ist, dass die Folge nicht allzu schnell zwischen den Orten hin und her schneidet, sondern jeden Moment für sich voll spielen lässt.

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TNG 4.25 – In Theory

Data beginnt eine romantische Beziehung mit Crewmitglied Jenna D’Sora. Vorher fragt er das ganze Schiff, ob er sich wirklich darauf einlassen soll. Geordi rät ihm ab, Troi ist skeptisch, Riker ermutigend, Picard verweigert eine Einschätzung und Worf droht Data, Jenna nicht zu verletzen, sonst gibt’s aufs Maul. Guinans Rat ist, dass sie keinen Rat hat. Die Guinan-Szene ist lustig, da sie zum Einstieg ein blaues Getränk und ein gelbes Getränk zusammen gießt, woraus ein grünes Getränk entsteht. Das soll beeindruckend wirken. Jedenfalls beginnt Data seine Beziehung mit Jenna und ist sofort überfordert, weil Frauen sind ja sooo komisch. Er versucht alles richtig zu machen, schreibt sogar ein Programm für Jenna, das Verhaltensroutinen abruft (inklusive Pärchenstreit-Routinen), aber Datas Wille, der perfekte Partner zu sein, führt schließlich zum Beziehungsende. Es gibt lustige Szenen, wenn Data zum Beispiel Jennas Quartier betritt und ruft: Honey, I’m home!

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TNG 4.20 – Qpid

Diese Folge sticht vor allem durch ihre Klamauk-Bereitschaft heraus. Picard und seine Crew werden von Q in die Robin Hood-Zeit geschnippst, wo Worf gegen sein knallrotes Outfit protestiert, Data eine Halbglatze hat und La Forge schlecht Mandoline spielt und dabei verträumt den Kopf hin und her schwenkt. Picard (jetzt mit schnittigem Bart) muss Vash retten, seine Urlaubsliebe aus Captain’s Holiday. Sie soll geköpft werden, wenn sie nicht Sir Guy of Gisbourne heiratet. Da sie nicht geköpft werden will, nimmt sie, zu Qs Überraschung, den Antrag an. Auch Picard ist verwirrt, als sich Vash nicht von ihm retten lassen will, also kidnappt er sie einfach. Am Ende sollen Picard und Vash beide geköpft werden und es kommt zum Showdown, inklusive Schwertkampf auf Burgtreppe, wo Patrick Stewart errolflynnt und seinem Gegner alle paar Schwerthiebe einen kühnen Spruch zuwirft.

Das Herz der Folge ist die Picard-Vash-Romanze, insbesondere Picards Schwierigkeiten, zu Vash zu stehen, denn ihre freche Kulturverdrossenheit ist ihm peinlich (sie setzt sich zum Beispiel einfach so auf den Captainstuhl und räkelt sich darin). Die Crew mag Vash (Worfs Kommentar: Nice legs.) und ist amüsiert über die deutlichen Unterschiede zwischen ihr und Picard. Sie sind seine Freunde, sie respektieren seine Gefühle für Vash, auch wenn er das selbst nicht tut. Das ist bei allem Klamauk schön zu sehen. Zumal Picard in seiner Unfähigkeit zu seinen Gefühlen zu stehen fast wie ein kleiner Junge wirkt. Vash ist eine belebende Gastfigur. Selbst Q ist begeistert, und so bietet er ihr am Ende die Chance, mit ihm mitzukommen und das Q-Kontinuum zu bereisen. Vash bejaht.

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TNG 4.7 – Reunion

Die erste Folge, bei der ich einschlief. Ich wachte aber immer wieder auf und bekam viel mit. Klingonen sind cool, aber Klingonenfolgen? Klingonen werden uns immer als kriegsgeil verkauft, aber eigentlich stehen sie immer nur im Halbkreis und reden über Ehre, Rache, Ruhm und Rituale. Immerhin gibt’s am Ende zwei blutige Tode, erstens Worfs Freundin K’Ehleyr (bekannt aus The Emissary), die ziemlich blutig und sogar vor den Augen ihres Sohnes stirbt (übrigens Worfs Sohn), zweitens der Mörder K’Ehleyrs, der nicht ganz so spektakulär von Worf getötet wird (endlich darf Worf jemanden töten). Seinen Sohn schiebt Worf an seine Adoptiv-Eltern ab (bekannt aus Family).

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TNG 4.2 – Family

Family ist der Epilog zu The Best of Both Worlds, in dem Picard seine Familie in Frankreich besucht, Wesley mit seinem toten Vater abschließt und Worfs Eltern ihn auf der Enterprise besuchen, was Worf natürlich erst nervt, aber später findet er es doch gut und die Eltern freuen sich. Die Konfrontation zwischen Picard und seinem Bruder ist uninteressant, aber irgendwie hat es mich doch ergriffen, wie er ihm unter Schlamm und Tränen gesteht, dass seine Zeit bei den Borg ihn gebrochen hat. Und der arme Riker wurde vom Captain wieder zum Ersten Offizier degradiert.

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TNG 3.25 – Transfigurations

Eine lahme Folge, Mal wieder ein gottähnliches Wesen, das sich am Ende in Licht verwandelt und ins All fliegt. Lustige Worf-Momente.

Wieso hängen eigentlich auf einem Raumschiff überall schlecht gemalte Bilder von Planeten? Es wirkt, als bestünde die Crew aus esoterischen Teenagern. Fehlen nur noch Poster von silbernen Delphinen, die vor einem pinken Mond aus dem Ozean springen.

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TNG 3.17 – The Sins of the Empire

Nach Yesterday’s Enterprise eine weitere legendäre Folge, mit der ich nichts anfangen kann. Es geht um Worf, der sich dem klingonischen Gericht stellen muss und seine Ehre verliert. Sein Bruder ist auch dabei und Picard macht ein bisschen Detektivarbeit. Keine Ahnung.

Ich befrage also den DSi, den Deutschen StarTrek-Index. Da ich über die Jahre immer wieder drüber gestolpert bin, betrachte ich ihn als Institution für alle deutschen Star Trek-Fans. Kern ist ein Episodenguide, der alle Episoden fast aller Star Trek-Serien zusammenfasst, beurteilt und Punktbewertungen in den Kategorien Spannung, SFX und Handlung vergibt.

Der DSi gibt The Sins of the Empire je sechs von sechs Punkten für Spannung und Handlung, aber nur drei von sechs für die Effekte. Das ergibt insgesamt fünf von sechs Punkten. Der Text im Abschnitt „Bewertung“ lobt erstens, dass die Folge eine gute Handlung hat, ohne zu sagen, was an der Handlung gut ist, und zweitens, dass die Folge mit früheren und späteren Folgen zusammen hängt. Der Autor freut sich, dass dadurch ein „roter Faden“ entsteht, „den man [in TNG] vorher vergeblich suchte“. „Sehr merkwürdig“ findet er „die vierstellige Sternzeit, die Picard bei seinem Eintrag ins Computerlogbuch zu Beginn der Episode nennt“, weil die Sternzeit korrekterweise fünfstellig sein müsste.

Ich hab jetzt auch einen Star Trek-Index (zu finden unter dem Link „TNG-Index“ ganz unten), auch mit Bewertungen. Nur vier mögliche Sterne. Sterne, weil die besser zu Star Trek passen als Punkte. Und vier, weil vier Bewertungseinheiten genug sind für eine Spaß und nichtssagend genug, um nicht ewig drüber nachdenken zu müssen. Also auch keine null Sterne, keine halben, kein gar nichts. Nur eins, zwei, drei oder vier. Ich bin der neue deutsche Star Trek-Index!

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TNG 3.7 – The Enemy

Geordi strandet allein auf einem Planeten. Nicht ganz allein, denn da ist noch ein Romulaner. Zuerst sind sie Feinde, dann arbeiten sie zusammen. Ein Romulaner, der auch auf dem Planeten war, wird auf die Enterprise gebeamt und liegt dort im Sterben und nur Worf kann ihn durch eine Zellspende retten, was Worf aber nicht will, weil Romulaner seine Eltern getötet haben, wodurch der Romulaner dann tatsächlich stirbt. Worf lässt sich nicht von Sternenflottenwerten vereinnahmen. Ansonsten meh.

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TNG 3.5 – The Bonding

Ein Crewmitglied stirbt. Sie hinterlässt einen Sohn, der bereits seinen Vater verloren hat. Worf, der das Bodenteam leitete, zu dem die Mutter gehörte, fühlt sich nun verantwortlich und will das Kind mittels Klingonenritual brüderlich an sich binden. Verantwortlich fühlt sich auch die Energie-Lebensform, durch die die Mutter zu Tode kam. Als Entschuldigung will die Lebensform das Kind mit auf den Planeten nehmen, indem sie sich ihm als seine Mutter ausgibt und ihm ein idyllisches (aber illusorisches) Leben verspricht.

Erstaunlich an The Bonding ist, dass fast jede Szene eine intensive Szene zwischen zwei Figuren ist, in denen es um Tod, Verantwortung, Traumaverarbeitung geht. Am stärksten ist die Szene zwischen Beverly und Wesley Crusher. Nachdem sie sich seit dem Tod des Vaters voneinander entfremdet haben, sprechen sie jetzt erstmals über ihre Gefühle. Die Folge ist psychotherapieinformiert, was man auch daran sieht, dass Troi am Ende zwischen allen vermittelt. Man kann darin ein Plädoyer für Empathie sehen, aber auch einen Zwang, Frauen in mütterliche Rollen zu pressen.

Dies war der erste Schreibjob von Ronald D. Moore. Er hatte es mit viel Glück geschafft, ein Spec-Script einzureichen, welches für außergewöhnlich gut befunden und dann auch produziert wurde. Moore wurde fest für die Serie angestellt, schrieb später für Deep Space Nine (1993-1999) und ganz kurz für Voyager (1995-2001) und ist wahrscheinlich am bekanntesten für seine Funktion als Showrunner des Remakes von Battlestar Galactica (2004-2009).

Bemerkenswert ist auch, dass The Bonding die Folge war, die Michael Piller (Chefautor der dritten Staffel) dazu anregte, ein Open Submission-Konzept für Star Trek zu installieren. Das ermöglichte es, nicht-professionellen Autoren, Drehbücher einzureichen. Die Produktion erhielt dadurch jährlich mehrere tausend Drehbücher aus aller Welt. Angeblich wurden die alle gelesen und aus manchen wurden tatsächlich Folgen (wie Yesterday’s Enterprise).