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Star Trek: The Next Generation

TNG 2.13 – Time Square

Die erste Zeitparadox-Folge. In dieser stößt die Enterprise auf eins seiner eigenen Shuttle. Dieses Shuttle kommt aus der Zukunft und hat einen bewusstlosen Captain Picard an Bord. Das Shuttle-Logbuch zeigt, dass die Enterprise in der Zukunft, aus der das Shuttle kam, zerstört wurde. Diese Zukunft ist noch sechs Stunden entfernt. Picard und seine Mannschaft versuchen nun, gegen den Lauf der Zeit zu handeln, also genau das zu vermeiden, was zur Zerstörung des Schiffes geführt hat oder führen wird. Was schwierig ist, da niemand weiß, was der Grund für die Zerstörung der Enterprise war oder sein wird. Die Lösung dieses Zeitparadoxes ist nicht sonderlich überzeugend. Letztlich geht’s mal wieder um eine gottähnliche Lebensform, einen Energieschlund, der Picard will. Zum Glück hat man ja noch einen zweiten Picard an Bord.

Die Folge konzentriert sich auf Picards Narzissmus. Sein Zukunfts-Ich bewusstlos auf der Krankenstation zu sehen, kränkt das Ideal, das Picard von sich hat. Er bezeichnet sein Zukunfts-Ich als „ihn“, um sich von sich selbst zu distanzieren. Lustig ist, dass der Zukunfts-Picard bewusstlos ist, weil seine biologische Uhr durch das Zeitparadoxon um sechs Stunden durcheinander gebracht wurde. Am besten gefielen mir in dieser Folge die bedrohlichen Hörner, die manche Szenen untermalen.

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TNG 2.12 – The Royale

Riker, Data und Worf beamen auf einen Planeten, entdecken eine alte Drehtür, gehen durch und sind mitten in einem Dreiziger-Hotelcasino, wo alles ein bisschen weichgezeichnet ist. Uiuiui, ganz schön seltsam. Irgendwann finden sie eine Erklärung (sie sind gefangen in einem schlechten Kriminalroman des 20. Jahrhunderts, der im Hotel Royale spielt) und können fliehen. Nicht viel über die Folge zu sagen, außer dass es eine lustige Worf-Szene gibt, in der er mit dem Zimmerservice telefoniert. Sonst eher schnarchig, bis auf die Idee der Drehtür in schwarzer Dunkelheit, die an die Tür aus dem Intro von Twilight Zone (1959-1964) erinnert.

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Star Trek: The Next Generation

TNG 2.11 – Contagion

Zweite Begegnung mit den Romulanern und erste und einzige Begenung mit einer uralten Alienrasse, die vor vielen Jahrtausenden quasi ein Stargate entwickelt hat, dessen Entdeckung von großer militärischer Brisanz wäre, weshalb Picard das Ding am Ende einfach sprengt, ganz Prime Directive. Zugleich bricht auf der Enterprise ein Computervirus aus, das die Enterprise zu zerstören droht und ein romulanisches Schiff droht die Enterprise zu zerstören, welches aber selber gerade mit dem gleichen Computervirus kämpft, was zum lustigen Versuch einer Raumschlacht führt, bei der beide Schiffe sozusagen an erektiler Dysfunktion leiden.

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Star Trek: The Next Generation

TNG 2.10 – The Dauphin

Wes verliebt sich und holt sich Rat bei Riker, Guinan, Geordi und Worf, der lustvoll-grinsend erklärt, dass die klingonischen Frauen die Männer verprügeln, während die Männer Liebesgedichte vortragen. Ganz so kompliziert ist es nicht für Wesley, denn seine Dauphin ist selbst schon scharf auf ihn, und so verbringen sie ein paar Stunden auf dem Holodeck und im Zehnvorne. Leider ist sie eine Thronfolgerin. Die Enterprise transportiert sie gerade zu dem Planeten, dessen Herrschaft sie nun anzutreten hat. Und leider hat sie eine Gouvernante dabei, die sie um jeden Preis beschützen muss und die gespielt wird von Paddi Edwards, die ich nicht kenne, aber die mit ihrer Kombination aus militärischen Mundbewegungen und aufgerissenen Augen an Miss Tanner in Suspiria (1977) erinnert, gespielt von Alida Valli. Zudem ist diese Gouvernante auch noch eine Shapeshifterin, die sich ein mal kurz, warum auch immer, in Mädchen Amick verwandelt, bekannt als Shelley aus Twin Peaks (1990-1991), ein mal in einen Ewok und ein mal in einen Spacegrizzly. Und diese Gouvernante will natürlich nicht, dass Wes was mit der Dauphin hat. Irgendwann verwandelt sich auch die Dauphin in so einen Spacegrizzly, denn, wer hätte es gedacht, sie ist auch eine Shapeshifterin. Was Wesley ziemlich verstört, war seine Geliebte doch vorher so schön, so perfekt, so immer am Lächeln. Seine Lektion, dass in jeder Frau ein Monster steckt, hat er nun gelernt.

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Essay Star Trek: The Next Generation

Haben Computer Rechte? – TNG 2.9 – The Measure of a Man

The Measure of a Man beginnt mit einem Pokerspiel zwischen Riker, La Forge, O’Brien, Pulaski und Data. Erstmals sind die Figuren in einem Kontext beisammen, in dem Dienstgrade aufgehoben sind. Das wirkt befreiend, nach all der Steifheit in den Folgen zuvor. Schon in früheren Folgen gab es Freizeitspaß auf dem Holodeck oder außerdienstliche Gespräche im Zehnvorne, aber Pokern ist, neben einer sozialen Freizeitbeschäftigung, auch ein Spiel mit der Ungewissheit, also ein Gegensatz zur mathematisierten und hierarchisierten Gesellschaft von Star Trek.

Im Audiokommentar sagt Autorin Melinda M. Snodgrass, dass Gene Roddenberry nicht ganz einverstanden mit dem Drehbuch war. In seiner Auffassung sind nämlich Anwälte in der Star Trek-Zukunft überflüssig, weil es hier weder Konflikte gibt, noch Ungerechtigkeit. Diese Auffassung von Gesellschaft schließt jedes Hinterfragen, jede Kritik an dieser Gesellschaft aus und fordert totale Unterwerfung. Und für die Autoren von The Next Generation war diese Auffassung wie Sabotage, denn gute Folgen zu schreiben, in denen sich immer alle lieb haben, ist unmöglich. Deshalb griffen die Autoren in der ersten Staffel häufig auf Wesley Crusher zurück, als derjenige, der die Lösung des Problems vor allen anderen erkannte. Die dramatische Frage hatte dann zwar nichts mit dem Thema der Folge zu tun, aber imnmerhin gab es eine: Wird die Crew dem kleinen Wesley glauben?

Der Pokertisch ist jedenfalls ein Ort des Risikos und der schweren Entscheidungen. Pokern erzeugt Konflikte, Antagonismen. So ist schon diese Pokerszene ein kleiner Triumph im Kampf gegen Roddenberrys Diktat. Zumal sie auch das Thema der Folge einführt, nämlich die Entscheidungsfähigkeit Datas. Data wundert sich darüber, dass beim Pokern nicht nur gewinnt, wer die besten Karten hat und dass Berechnung allein nicht zum Ziel führt. Diese Verunsicherung wird Data später zitieren, wenn er einem Wissenschaftler, der ihn auseinander bauen will, den Wert seiner Erinnerungen erklärt, als etwas, das sich dem Zweck von Verarbeitung und Verwertung nicht unterordnen lässt. Maddox, der Wissenschaftler, will Data von der Enterprise weg holen, um ihn zur Analyse auseinander zu bauen. Maddox’ langfristiges Ziel ist, Data zu kopieren, damit jedes Raumschiff der Sternenflotte seinen eigenen Data hat. Doch Data möchte das nicht und es entsteht ein Rechtsstreit, bei dem verhandelt wird, ob Data Eigentum der Sternenflotte ist oder ob er trotz seines Daseins als Android ein Recht auf freie Entscheidung hat. Diese Frage wird in einer Gerichtsverhandlung geklärt, in der Captain Picard und Commander Riker als Anwalt und Verteidiger gegeneinander antreten müssen, Riker auf Seite von Maddox und Picard auf Seite von Data.

Das Schöne an Data ist, dass er sich für jede noch so banale Erfahrung fasziniert. Hierin ist er für alle ein Vorbild kindlicher Neugier. So ist die Frage, die die Folge stellt (Hat Data ein Recht auf Entscheidung?), leicht mit Ja zu beantworten, zumindest intuitiv. The Measure of a Man hat jedenfalls keine guten Argumente dagegen. Riker argumentiert ziemlich schwach. Er beweist lediglich, dass Data eine Maschine ist. Das hatte aber niemand bestritten, also Thema verfehlt. Daher ist es schwer zu glauben, dass jemand wie Picard sich nun erst mal zum Nachdenken zurück ziehen muss. Das ist die Schwäche der Folge: dass das philosophisch-ethische Problem um Data nicht überzeugend problematisiert wird. Riker hätte zum Beispiel fragen können, wie Data überhaupt Entscheidungen trifft. Sind Datas Entscheidungen Ergebnis von Mathematik beziehungsweise Logik? Oder spielen auch menschliche Werte in seine Entscheidungen rein, also Impulse, Triebe, Vorurteile? Wenn Datas Entscheidungen allein auf mathematischen Gleichungen basieren, sind sie keine Entscheidungen, sondern mathematische Gleichungen. Auf dieser Grundlage wäre es legitim, Data das Recht auf Entscheidung abzusprechen.

Joseph Weizenbaums Computerprogramm ELIZA aus dem Jahr 1966 zeigt, wie leicht bei Menschen die Überzeugung entsteht, dass eine Maschine ein Bewusstsein hat. ELIZA war nämlich ein Gesprächs-Simulator, quasi der erste Chatbot. Seine Funktionsweise beschreibt Weizenbaum so (aus Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft, 1978):

Da es in Gesprächen immer um irgend etwas gehen muss, d. h., da sie innerhalb eines bestimmten Kontextes stattfinden müssen, war das Programm als Zwei-Bänder-Anordnung konstruiert, wobei das erste Band aus dem Sprach-Analysator und das zweite aus einem Skript bestand. Ein Skript besteht aus einer Reihe von Regeln, die in etwa denen gleichen, an die ein Schauspieler gebunden ist, der über ein bestimmtes Thema improvisiert. Somit konnte man in ELIZA ein Skript eingeben, das sie in die Lage versetzte, ein Gespräch über das Kochen von Eiern oder über die Benutzung eines laufenden Kontos bei er Bank etc. zu führen.

Als Gesprächs-Kontext wählte Weizenbaum die Psychotherapie, denn: „Ein solcher Therapeut ist verhältnismäßig einfach zu imitieren, da ein Großteil seiner Technik darin besteht, den Patienten dadurch zum Sprechen zu bringen, daß diesem seine eigenen Äußerungen wie bei einem Echo zurückgegeben werden.“ Weizenbaum war schockiert über die Reaktionen seiner akademischen Kollegen auf ELIZA. Viele vertrauten dem simplen Programm intimste Details an, echte Psychotherapeuten hielten es für einen ersten Schritt zu einer automatischen Form der Therapie und viele sahen in ELIZA den Beweis dafür, dass Computer natürliche Sprache verstehen können. Viele waren sich sicher, dass ELIZA ihre persönlichen Probleme tatsächlich verstand und wollten sich nicht vom Gegenteil überzeugen lassen.

Wenn wir Datas „Positronengehirn“ als eine Weiterentwicklung von ELIZA betrachten, also als einen extrem hoch entwickelten Gesprächs-Simulator, der in der Lage ist, sein Skript auf alle möglichen Gesprächsthemen anzuwenden, selbst auf metaphysische, dann können wir Data das Recht auf Entscheidung tatsächlich absprechen, denn er ist ja nur ein Simulator und das bleibt er auch, selbst wenn er Dinge wie „Willen“ oder „Entscheidung“ sehr gut simulieren kann. Riker hätte also ruhig mal jemanden wie Joseph Weizenbaum lesen können, um Picard und vor allem das Publikum ein bisschen mehr zu fordern. Dass Datas Verhalten menschlich wirkt und wir deshalb geneigt sind, ihm Rechte zuzugestehen, heißt nicht, dass wir das tun sollten.

The Measure of a Man wird seiner Legende als philosophisch tiefschürfende Folge nicht gerecht. Trotzdem ist die Folge hevorragend, einfach weil Snodgrass (selbst mal Anwältin gewesen) Picard und Riker aufeinander hetzt. Im Audiokommentar sagt sie, dass Rechtsstreitigkeiten bei der Navy, tatsächlich so gehandhabt werden, dass in Abwesenheit echter Anwälte Captain und Erster Offizier die Parteien als Anwalt und Verteidiger vertreten. Dieser Konflikt ist also nicht so beliebig dahin konstruiert, wie es auf den ersten Blick wirken mag.

The Measure of a Man war das erste Drehbuch von Melinda M. Snodgrass. Es war ein On-Spec-Drehbuch, sie hat es also einfach on speculation bei den Star Trek-Machern eingereicht, und zwar über den Agenten ihres Freundes George R. R. Martin. Darauf wurde sie als neue Stammautorin für The Next Generation eingestellt. Da die Serie es den Autoren aber sehr schwer machte, stieg sie relativ schnell wieder aus. The High Ground in der dritten Staffel war ihre letzte Folge. Bemerkenswert ist auch ihre Adaption der George R. R. Martin-Kurzgeschichte Sandkings für die erste Folge von The Outer Limits (1995-2002).

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TNG 2.8 – A Matter of Honor

Riker dient im Rahmen eines Austauschprogramms als erster Offizier auf einem Klingonenschiff. Dort musss er Klingonenessen essen, was so ziemlich der Kern des kulturellen Austauschs dieser Folge ist. Aber man lernt auch klingonischen Humor kennen: If clingon food is too strong for you, perhaps we could get one of the females to breastfeed you! Man lernt auch, dass es keinen großen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Klingonen gibt. Beide sind ehrfuchtgebietende Krieger.

Das Setdesign auf dem Klingonenschiff ist fantastisch, das rote Licht, die Gitter, die diesige Luft. Auch auf der Enterprise gibt’s was zum Staunen, nämlich die ersten Nahaufnahmen, die zeigen, wie jemand eine Konsole bedient, also wie Knöpfe gedrückt und Dinge berechnet werden. Wow!

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TNG 2.7 – Unnatural Selection

Eine Pulaski-Folge. Ich mag Pulaski, weil ihr Stolz von ihr selbst kommt, nicht von ihrem Sternenflottenrang. Doch der Star Trek-Boysclub beschwert sich gern über sie, weil sie es wagt, den weisen Picard auch mal zu unterbrechen. In dieser Folge wird ihre Persönlichkeit über die Handlung eines Virusausbruchs thematisiert, der das Schiff gefährden könnte. Pulaski will helfen, aber Picard ist um das Wohl des Schiffes besorgt. Es wird viel geblablablat und am Ende ist alles gut, weil Pulaski und Picard aufeinander zugegangen sind. Ich hoffe, dass Pulaski in den folgenden Folgen nicht so unterwürfig wird wie der Rest der Crew.

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Essay Star Trek: The Next Generation

Inspirierende Behinderte und monströse Behinderte – TNG 2.5 – Loud as a Whisper

Behinderung und wie man damit umgeht ist das Thema dieser Folge. Was interessant ist, weil wir viel über eine Gesellschaft lernen können, indem wir ihren Umgang mit behinderten Menschen betrachten.

Die Enterprise begleitet einen taubstummen Mediator namens Riva zu Friedensverhandlungen. Riva hat drei Diener/Betreuer, die nonverbal mit ihm kommunizieren und die für ihn hören und sprechen. Riva nennt sie seinen Chor. Riva wird als mythische Gestalt inszeniert. Sobald er auftaucht, erklingt ätherische Sphärenmusik. Die Enterprise-Mannschaft ist fasziniert, wie dieser Taubstumme sein Leben lebt. Riva bringt jedes Mitglied der Brückencrew durch erhebende Worte zum Lächeln und Staunen. Riva verkörpert den inspirierenden Behinderten, der, durchströhmt von Weisheit, den Nichtbehinderten hilft, die Schönheit in sich selbst zu sehen. Das ist der gesellschaftliche Zweck des inspirierenden Behinderten. Loud as a Whisper konkretisiert diesen Zweck sogar in Rivas Beruf als Friedensstifter. Seine Behinderung gibt ihm die Kraft, alles und jeden zu befrieden.

Im Lauf der Friedensverhandlungen wird Rivas Chor getötet. Nun kann er mit niemandem mehr kommunizieren, ist auf seine Behinderung reduziert, ist verzweifelt und will die Verhandlungen abbrechen. Captain Picard will das nicht akzeptieren, schließlich muss auf diesem Planeten irgendwie der Frieden einkehren. Doch Picard kann Riva nicht überzeugen, da er nicht Gebärdensprache spricht. Die Episode gibt sich einfühlsam und verständnisvoll, doch aus dramaturgischer Sicht ist Riva ab jetzt der Antagonist, denn er weigert sich, seine Rolle als inspirierender Behinderter weiter zu spielen. Das dramatische Ziel besteht darin, Riva zu überzeugen, die Verhandlungen weiter zu führen. Riva verkörpert jetzt den Behinderten als Monster, besonders sichtbar in der Szene, in der Picard seltsam aggressiv auf Rivas Gebärdensprache reagiert, die ihm unverständlich, fuchtelig, irre erscheint.

Doch Data macht sich innerhalb weniger Minuten zum Gebärdendolmetscher und so kann Counselor Troi den entscheidenden Rat erteilen: Riva soll aus seiner Behinderung einen Vorteil machen. Das motiviert Riva, sodass er sich sofort auf den Planeten beamen lässt, um die Friedensverhandlungen allein weiter zu führen. Riva plant, die verfeindeten Parteien zu befrieden, indem er ihnen Gebärdensprache beibringt. Mit dieser Wiedereingliederung Rivas in seine ihm zugedachte Rolle endet die Folge.

Trois Rat, aus einer Behinderung einen Vorteil zu machen, wird dem Publikum als motivierend verkauft. Dabei ist dieser Rat eine gängige Erziehungsmaßnahme, die ein Leistungsimperativ schafft, nach dem sich Behinderte besonders behaupten müssen, und zwar nicht für sich selbst, sondern für die Normalität. Wenn nämlich ein Behinderter einen Erfolg erzielt, dann ist das kein normaler Erfolg, sondern der Erfolg eines Behinderten. Das schmeichelt unserem Bild der Normalität. Ach wie schön, wenn selbst das “Abnormale” in unserer Normalität seinen Platz findet. Doch will ein Behinderter diese Rolle nicht mitspielen, ist das befremdlich, beänsgstigend, monströs.

Unsere Normalität sortiert Behinderte in ein Spektrum zwischen monströs und inspirierend ein. Will ein Behinderter sich dieser Einsortierung entziehen, landet er automatisch auf der monströsen Seite. Mir fällt nur ein einziger Film ein, der eine behinderte Figur zeigt, die sich dieser brutalen Normalität entzieht, und zwar Lars von Triers Dancer In The Dark (2000). Die von Björk gespielte Hauptfigur hält ihre Sehbehinderung geheim. Um behandelt zu werden wie ein Mensch, muss sie ihre Behinderung verstecken.

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TNG 2.4 – The Outrageous Okona

Die Enterprise hilft Han Solo, der, wie man sich anfangs nur denken kann, wegen einigem Trouble gesucht wird. Frisch auf der Enterprise umschwärmen ihn die Frauen und innerhalb weniger Stunden besucht er gleich drei auf ihren privaten Quartieren. In einer Szene führt Worf ihn aus dem Quartier einer Frau, da bleibt die Kamera noch kurz auf ihr, wie sie allein auf dem Bett sitzen bleibt. Das soll wohl zeigen, dass auf der Enterprise normalerweise nicht viel abgeht. Und oder es ist mal wieder sexistischer Roddenberry-Schwachsinn.

Picard ist im Genervt-Modus, denn zwei andere Schiffe fordern Hans Auslieferung. Er muss vermitteln, was zu einer Schlussszene führt, in der alle Parteien im Halbkreis stehend etwas aufführen, was wohl als Verwechslungskomödie gedacht war. Aber für so etwas ist der Star Trek-übliche Inszenierungsstil nicht geeignet, mit seinen kurzen Sprechpausen zwischen jedem Closeup. Der B-Plot zeigt Data bei seinen Versuchen, Humor zu verstehen. Guinan berät ihn. Eine unlustige Folge über Humor.

Han wird gespielt von William O. Campbell, der wenig später die Hauptrolle in The Rocketeer (1991) spielte. Die Transporter-Offizierin, die ihm sofort verfällt, wird von Teri Hatcher gespielt. Sie spielte etwas später Lois Lane in Lois & Clark: The New Adventures of Superman (1993-1997), war Bondgirl in Die Another Day (1997) und spielte Susan Delfino in Desperate Housewifes (2004-2012).

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TNG 2.3 – Elementary, Dear Data

Geordi und Data spielen Sherlock Holmes auf dem Holodeck, aber Data löst jeden Fall sofort. So lassen sie den Computer einen Holmes-Fall entwerfen, der Data besiegen kann. Was einen Professor Moriarty erzeugt, der ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass er ein Hologramm auf einem Holodeck auf einem Raumschiff namens Enterprise ist. Moriarty entwirft eine Maschine, mit der er die Enterprise zum Wackeln bringen kann und irgendwie bringt er es fertig, die alleinige Kontrolle über das Holodeck zu erlangen. Sein Ziel: Er will außerhalb des Holodecks weiter leben können. Doch Picard sagt ihm, dies sei nicht möglich. Moriarty sieht das ein und lässt sich deaktivieren. Ende.

Die Folge ist bemerkenswert, weil es überraschend ist, einen dramatischen Konflikt durch Einsicht gelöst zu sehen. Coole Checker wie ich nennen das Antiklimax. Die Spannung steigt und steigt, aber auf dem Höhepunkt entlädt sie sich nicht in einer Konfrontation, sondern sinkt einfach wieder ab. Der Antiklimax enttäuscht bewusst die Erwartung an die Konfrontation. Was klug ist, denn wenn Erwartungen erfüllt werden, vor allem in Fernsehserien, ist das meistens unbefriedigend.