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Star Trek: The Next Generation

TNG 1.22 – The Arsenal of Freedom

Stargast in dieser Folge ist Vincent Schiavelli als holografischer Waffenverkäufer. Miloš Forman entdeckte ihn mit seinem ersten amerikanischen Film Taking Off (1971), später besetzte er ihn in One Flew Over the Cuckoo’s Nest (1975), Amadeus (1984), Valmont (1989), The People vs. Larry Flynt (1996) und Man On The Moon (1999). Er war auch als „ulkige“ Nebenfigur in The Frisco Kid (1979), Fast Times And Ridgemont High (1982), Better Off Dead (1985), Batman Returns (1992) und Lord of Illusions (1995). Das Großartige an ihm ist seine verunsichernde Ironie. Alles was er sagt, wirkt wie ein Test.

The Arsenal of Freedom ist eine der besten Folgen der ersten Staffel. Hier müssen zum ersten Mal alle zusammen arbeiten, und zwar an verschiedenen Orten. Picard verarztet Doktor Crusher in einer Höhle. Oberhalb der Höhle kämpfen Riker, Data und Tasha gegen fliegende Schießbälle, die angeblich sehr gefährlich sind, die aber immer daneben schießen. Im Orbit auf der Enterprise muss Geordi das Kommando übernehmen und bekommt es dort auch mit einem Schießball zu tun. Troi berät ihn in Kommandeurs-Empathie, ihre erste hilfreiche Beratung. Selbst Nebenfiguren spielen eine größere Rolle, nämlich zwei junge Lieutenants oder Fähnrichs, frisch von der Akademie, die in ihrer ersten brenzligen Lage stecken. Fähnrich T’Su wird von Catherine Sakai gespielt, bekannt als Commander Sinclairs On-Off-Freundin in der ersten Staffel von Babylon 5. Die Schießbälle mögen albern wirken, aber die Autoren schaffen es zum ersten Mal, zwischen den Mannschaftsmitgliedern ein paar Konflikte aufzubauen, wenn auch seichte.

Dass die ersten beiden Staffeln von The Next Generation oft schwach sind, ist auf Gene Roddenberry zurück zu führen. Er sabotierte die Serie (man muss es so ausdrücken), indem er darauf bestand, dass die Mannschaftsmitglieder der Enterprise keine Konflikte haben dürfen. Unter diesen Umständen verdienen die Autoren eine Menge Respekt, denn die ersten beiden Staffeln sind trotzdem schaubar. Allzu lang hielten es die Autoren aber alle nicht bei der Serie aus.

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TNG 1.21 – Symbiosis

RIKER (über Sonneneruptionen):
The violence of those eruptions is awesome.

TASHA (über Drogen):
Wesley, on my home world, there was so much poverty and violence that for some people, the only escape was through drugs.
WESLEY:
How can a chemical substance provide an escape?
TASHA:
It doesn’t. But it makes you think it does.
WESLEY:
I guess I don’t understand.
TASHA:
Wesley, I hope you never do.
Data schaut verwirrt. In was für einer Serie bin ich eigentlich?

PICARD (zu Crusher):
Beverly, the Prime Directive is not just a set of rules, it is a philosophy, and a very correct one. History has proved again and again that whenever mankind interferes with a less developed civilization, no matter how well intentioned that interference may be, the results are invariably disastrous.

Möööp.

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TNG 1.20 – Heart of Glory

Worf spielte bislang in keiner Folge eine Rolle, die über gelegentliche Meinungsäußerungen hinaus ging. Jetzt tauchen zum ersten Mal Klingonen auf, in einem bedrohlichen Warbird. Und klickende Percussions zitieren Jerry Goldsmiths Klingonen-Theme aus Star Trek: The Motion Picture, ein freudig-martialische Stück. Eine sonst eher najaige Folge wird dadurch etwas besser.

Die Kriegsverherrlichung der Klingonen kommt vor allem in der martialischen Poetik ihrer Sprache zum Ausdruck. Hier vor allem in einer Dialogsequenz in Worfs Quartier, die in einem langen Mastershot gedreht wurde. Zuvor löste die Serie ihre Dialoge fast immer in Nahaufnahmen auf, um die Schauspielerei im Schnitt herzustellen. In dieser Szene braucht es das nicht, weil die klingonische Theatralik gute Schauspieler hervor bringt. The true test of a warrior is not without, it is within! Das kann man gar nicht sagen, ohne dass es stark klingt. Bei schwächlicher Wissenschaftlersprache übers Konfigurieren muss man hingegen schneiden.

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TNG 1.19 – Coming of Age

Während sich Wesley Crusher an der Aufnahmeprüfung der Sternenflotten-Akademie versucht, wird die gesamte Enterprise-Crew über Captain Picard verhört. Scheinbar wird Picard einer bösen Tat verdächtigt. Das führt zu allerhand Szenen, in denen die einzelnen Mannschaftsmitglieder ihre Loyalität für Picard erklären, wie super er ist und so. Da fiebert man natürlich mit. Der Grund für die Untersuchung wird nicht wirklich aufgeklärt, es bleibt also zum ersten Mal etwas im Unklaren.

Auch zum ersten Mal ist ein Shuttle zu sehen (die Innenbeleuchtung besteht noch aus schief angebrachten Lichterketten). Ein Teenager, der nicht zur Akademieprüfung zugelassen wurde, hat es gestohlen, sein Leben ist zerstört, er ist ein Loser. Nun ist er in Lebensgefahr, doch Picard rettet ihm das Leben, damit wir verstehen wie toll Picard ist. Am Ende bedankt sich der suizidale Teenager unterwürfig bei Picard. Dass der Leistungsdruck der Sternenflotte zu viel sein könnte, da kommt niemand drauf.

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TNG 1.18 – Home Soil

Die Enterprise orbittet einen Planeten, der gerade in Terraforming-Vorbereitungen steckt. Als die Enterprise Kontakt aufnimmt, kommt erst mal keine Antwort. Erst nach einigen Versuchen, meldet sich jemand. Ein bisschen, wie wenn man bei jemandem klingelt, der nicht aufmachen will, zum Beispiel bei mir. Der sich meldende Leiter der Terraforming-Kolonie will offenbar in Ruhe gelassen werden. Da schickt Picard sofort ein Bodenteam (mal wieder ganz Prime Directive). Schnell entdeckt die Mannschaft eine intelligente anorganische Lebensform, die im Sand des Planeten lebt und die schon bald die Enterprise in ihre Gewalt nimmt. Was aber nicht schlimm ist, denn um die Minikristall-Aliens zu schwächen, muss man nur das Licht dimmen. Die Kristalle bezeichnen Menschen als „ugly bags of mostly water“. Schade, dass man nicht erfährt, was in ihrer Kultur als schön gilt. Guter Moment, wenn sich Geordi um Data sorgt und schreit: Daaaataaaaa!

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TNG 1.17 – When The Bough Breaks

Die Enterprise folgt mal wieder vorbildlich der Prime Directive, indem sie das Tarnsystem eines Planeten überlistet, der nicht gefunden werden will. Es handelt sich um das Volk der Aldeaner. Die Crew ist ganz erregt, denn um die hochentwickelten Waffen- und Tarntechnologien der Aldeaner ranken sich Mythen. Aber da die Aldeaner unfruchtbar sind, stehlen sie der Enterprise ein paar Kinder, darunter auch Wesley Crusher. Picard wird böse.

Regiert werden die Aldeaner von einem Supercomputer, der sich um all ihre Bedürfnisse kümmert. Also mal wieder eine Gottheit, die keine ist, und die die Enterprise zerstören muss, zumal sie radioaktive Strahlung absondert und die Ozonschicht des Planeten zerstört, was auch der Grund für die Unfruchtbarkeit der Aldeaner ist.

Nett ist, wie Wesley und seine Kitagruppe in den Hungerstreik gehen und wie Picard voller Abscheu ein kleines Mädchen auf den Arm nimmt. Erstmals werden die Kinder an Bord der Enterprise thematisiert. Auf der Enterprise hat sich das Konzept der Familie total mit den Zielen und Werten der Föderation identifiziert, auf dass der Strom an neuen Rekruten nie ablässt.

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TNG 1.16 – Too Short A Season

Es ist ein Kampf, hier die Augen offen zu halten. Anfangs lustig, wie ein junger Mann (Clayton Rohner) in Faltenmaske einen uralten spielt. Beide, Maske und Schauspieler, erzeugen ein Uncanney Valley. Rohner bewegt seine Gliedmaßen von den Gelenken aus und den Rest lässt er hängen, als hinge er an Puppenspielerfäden. Die Geschichte um eine Geiselnahme: gähn. Und mal als Star Trek-Fan gesprochen: Wer will einen Fremdling beim Jungwerden sehen? Das hätte Picard passieren müssen, am Ende ein kleiner Junge mit Halbglatze auf dem Captainstuhl.

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TNG 1.15 – 11001001

Die Leistung der Enterprise-D, so Picard im einleitenden Logbucheintrag, übertraf bislang alle Erwartungen. Nun soll das Schiff für kleine Ausbesserungen ein paar Tage auf Raumbasis 74 andocken, einer riesigen und beeindruckenden Raumstation (danke, Bluray-Restauration!). Hier darf die Crew ein paar Tage urlaubieren. Riker und Picard haben also Sturmfrei, als plötzlich die Explosion des Warpkerns droht und die Enterprise programmiert wird, möglichst weit von der Raumbasis weg zu warpen. In dieser Folge werden Riker und Picard die Selbstzerstörung der Enterprise einleiten. Ein aufregendes Ereignis in jeder Star Trek-Serie, denn das Schiff ist die eigentliche Hauptfigur. Mit seiner Zerstörung droht das Ende der Serie und damit auch das Ende der alltäglichen Gewohnheit, die Serie zu schauen. Die Enterprise ist ein Bild für den Alltag auf der Suche nach dem Ungewöhnlichen.

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TNG 1.14 – Angel One

Sicherheitschefin Lieutenant Tasha Yar, als Teil der Brückencrew, hält sich meist im Hintergrund auf, Arme defensiv verschränkt oder Hände an die Armaturen geklammert. Niemand sieht sie, bis sie plötzlich fehlt. Wenn Tasha eine Rolle spielt, dann die der Entführten (siehe Code of Honour und Hide and Q). Hat sie etwas zu sagen, fährt Picard ihr über den Mund. Alle anderen Hauptfiguren in The Next Generation haben eine eigene starke Ausstrahlung, der stoische Worf, der wissbegierige Wesley, der vertrauenswürdige Picard, der swaggernde Riker, die exotische Troi, der lockere La Forge. Aber was hat Tascha, außer ihrer Kompetenz und einer irgendwie ins Nichts gerichteten Verbissenheit? Sie hat genau diese Unfähigkeit, neben diesen Überpersönlichkeiten zu bestehen, dieses erfolglose Dazugehörenwollen, das vielleicht in späteren Staffeln mehr hätte heraus gearbeitet werden können. Aber Star Trek ist zu inklusiv für Außenseiter.

Ich schreibe das in Zusammenhang mit Angel One, weil Tasha in dieser Episode das Bodenteam leitet und somit etwas mehr zu tun hat als zwei, drei Sätze zu sagen (meist: Aye, Sir!), und weil ich angesichts einer berühmten und drohend aufziehenden Folge nicht weiß, wann ich noch mal Gelegenheit kriege, über sie zu schreiben.

Ansonsten lässt sich über die Folge nicht allzu viel sagen. Es geht um einen Planeten, auf dem Frauen herrschen. Die Serie will, dass man das genauso highly unusual findet wie die Figuren, die ständig betonen wie highly unusual das ist. Auf diesem Planeten werden die Männer zu Sexobjekten degradiert, was ganz im Sinne Commander Rikers ist, der sich, mit diplomatischen Gründen als Alibi, der Begierde der Anführerin hingibt. Was in Tasha Yar und Counselor Troi die Eifersucht weckt. Riker trägt sogar die Kleidung, die Männer hier tragen müssen: ein Oberteil mit breitem und tiefem Ausschnitt zur Darbietung des Oberkörpers und eine Hose, die Weichteile und Hintern zur Betonung abschnürt. Hier gibt’s auch Tashas großen Charaktermoment: Sie sieht Riker in dieser Kleidung, errötet und sagt, er sehe sexy aus. Jedenfalls, auf Angel One stimmt was nicht und die Enterprise muss eingreifen. Am Ende trägt der wieder uniformierte Riker den nun sich hoffentlich bessernden Frauen eine belehrende Rede vor.

Ah, und auf der Enterprise bricht ein Virus aus, das Captain Picard ausknockt, sodass Geordi La Forge das Kommando übernehmen muss. Erster großer Geordi-Moment.

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TNG 1.13 – Datalore

Die Enterprise trifft erstmals auf Lore, ein Android, der genauso aussieht wie Data, aber er grinst gruseliger und spricht ironisch, salopp, bildhaft, fast wie ein Mensch, und er wird die Enterprise einem durchs All fliegenden Riesenkristall zum Fraß vorwerfen.

Auch in dieser Folge hat Wesley Crusher als einziger den richtigen Riecher, doch die doofen Erwachsenen glauben ihm nicht, noch danken sie ihm am Ende. Das ist aus Sicht eines Fernsehautors, der wenig Zeit hat, um eine Folge zu schreiben (oder zu retten), der schnellste Weg zum dramatischen Konflikt, wenn sonst keiner zu finden ist.

Das Kristallwesen ist sehenswert, wie es zunächst als kleiner blauer Punkt auf dem Schirm auftaucht, immer größer wird und sich schließlich um die Enterprise herumästelt. Ein fantastisches Wesen, erinnernd an die Kirk-Serie, zum Beispiel an den durchs All treibenden Baumstamm in The Doomsday Machine.