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Star Trek: The Next Generation

TNG 5.17 – The Outcast

Geordi La Forge trägt in dieser Folge einen Bart. In einem der Outtakes auf der Bluray sagt er, dass die Produzenten das einfach mal ausprobieren wollten. Gefiel den Produzenten nicht und so musste er dann gleich wieder ab. Entscheidend ist aber, dass sich Riker in dieser Folge verliebt, und zwar in Soren, einer J’naii, einer Spezies ohne Geschlecht. Riker und Soren führen anfangs einige gendertheoretische Gespräche auf niedrigem Niveau. Zum Beispiel weiß Riker nicht, wie er Soren ansprechen soll, als Sie oder als Es. Da musste ich an Richard Stallman denken, der die genderneutralen Pronomen person und perse vorschlägt. Jedenfalls stellt sich heraus, dass Soren eine der wenigen J’naii ist, die mit einem Geschlecht geboren wurde (sie identifiziert sich als weiblich), was bei den J’naii aber als krank gilt. So müssen Riker und Soren ihre Liebe geheim halten, was Romantik verspricht. Die Dramaturgie findet am Ende zu einer konservativen Geschlechterpolitik, indem sie Soren zur Jungfrau in Not macht. Erwähnenswert ist, dass das erste I Love You in TNG ausgerechnet von Riker kommt.

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TNG 5.12 – Violations

Die Enterprise tranportiert eine Telepathen-Familie. Einer der Telepathen ist böse und belästigt Crew-Mitglieder telepathisch, indem er ihnen furchtbare Visionen einflößt. Das sieht so aus, dass sich für die Opfer plötzlich ein Alptraum ins wache Bewusstsein mischt, mit übersättigten Farben und starkem Weitwinkel (wie Alpträume eben aussehen). Der böse Telepath bemächtigt sich also der Fantasie seiner Opfer. Counselor Troi vergewaltigt er so sogar. Die erste Folge, in der TNG das Thema Vergewaltigung direkt anspricht. Beschränkt sich dann aber auf die Mechanismen eines Whodunit. Am Anfang der Folge befragt einer der Telepathen Keiko O’Brien nach ihren Erinnerungen. Keiko ist Chinesin. Natürlich fällt den Autoren hier nichts Besseres ein, als dass sich Keiko an Pinsel, Farben und chinesische Schriftzeichen erinnert, untermalt von klischeechinesischer Musik.

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TNG 5.5 – Disaster

Eine schlimme Anomalie trifft die Enterprise ohne Vorwarnung, sodass alles durcheinander wirbelt und der Strom ausfällt. Verschiedene Crew-Mitglieder sind nun in für sie ungewohnten Situationen. Picard steckt mit drei Kindern im Turbolift fest (der den Schacht hinab zu stürzen droht), Counselor Troi ist die höchstrangige Offizierin auf der Brücke und muss das Schiff kommandieren (mit Chief O’Brien und Fähnrich Ro als ihre Unterstellten, deren gegensätzliche Meinungen sie bewerten und in Befehle umsetzen muss), La Forge und Doktor Crusher sind im Hangar und müssen ein Plasmafeuer löschen, Worf muss das Kind von Keiko O’Brien zur Welt bringen, etc.

Wie Worf das macht, streng nach Lehrbuch und jeden seiner Schritte für sich selbst laut aussprechend, ist das Mutigste, was er je gemacht hat. Als Worf das Baby zum ersten Mal weinen hört, muss er unwillkürlich vor Freude lachen, reißt sich aber sofort wieder zusammen. Der rührendste Charakter-Moment der ganzen Serie.

Ähnlich rührend ist Picards Geschichte, da nicht, wie es auf den ersten Blick wirkt, er die Kinder rettet, sondern die Kinder ihn. Er hat sich beim Aufprall der Anomalie das Bein verletzt und glaubt nicht, dass er es schaffen kann, aus dem Turbolift und dann den Fahruhlschacht hinauf zum nächsten Deck zu klettern. Also befiehlt er den Kindern, denen er zur Motivation Offiziersränge verliehen hat, alleine zu klettern und ihn im Fahrstuhl zurück zu lassen. Doch die Kinder weigern sich. Sie wollen entweder alle aus dem Turbolift fliehen oder gar nicht. Kurz nachdem sie den Schacht verlassen haben, fällt die Turboliftkabine runter. Die Kinder haben Picard das Leben gerettet.

Auch Troi bekommt einen großen Moment, wenn sie sich in den Captain-Stuhl setzt. Vorher traut sie sich nicht, bleibt auf Abstand, bewegt sich in großen Kreisen um diesen Stuhl, doch jetzt, nachdem sie ein paar Entscheidungen getroffen, ein paar Befehle gesprochen, setzt sie sich drauf, mit klarem Blick und selbstbewusst die Beine übereinander schlagend. Auch La Forge und Doktor Crusher gehen über ihre Grenzen hinaus, wenn sie sich kurz dem Vakuum des Alls aussetzen, um das zerstörerische Plasmafeuer zu ersticken und dann, selbst fast erstickt, mit letzten Kräften sich zum Druckausgleichsknopf schleppen (der dramaturgisch günstig einige Meter von ihnen entfernt ist). La Forge bricht zusammen, Crusher schafft es geradeso, und sie können wieder atmen.

Einen solchen Multiplot könnte man leicht verhauen, doch jeder der Handlungsstränge ist spannend und teilweise karthatisch. Großartig ist, dass die Folge nicht allzu schnell zwischen den Orten hin und her schneidet, sondern jeden Moment für sich voll spielen lässt.

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TNG 4.25 – In Theory

Data beginnt eine romantische Beziehung mit Crewmitglied Jenna D’Sora. Vorher fragt er das ganze Schiff, ob er sich wirklich darauf einlassen soll. Geordi rät ihm ab, Troi ist skeptisch, Riker ermutigend, Picard verweigert eine Einschätzung und Worf droht Data, Jenna nicht zu verletzen, sonst gibt’s aufs Maul. Guinans Rat ist, dass sie keinen Rat hat. Die Guinan-Szene ist lustig, da sie zum Einstieg ein blaues Getränk und ein gelbes Getränk zusammen gießt, woraus ein grünes Getränk entsteht. Das soll beeindruckend wirken. Jedenfalls beginnt Data seine Beziehung mit Jenna und ist sofort überfordert, weil Frauen sind ja sooo komisch. Er versucht alles richtig zu machen, schreibt sogar ein Programm für Jenna, das Verhaltensroutinen abruft (inklusive Pärchenstreit-Routinen), aber Datas Wille, der perfekte Partner zu sein, führt schließlich zum Beziehungsende. Es gibt lustige Szenen, wenn Data zum Beispiel Jennas Quartier betritt und ruft: Honey, I’m home!

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TNG 4.24 – The Mind’s Eye

Geordi La Forge wird auf einem Shuttleflug zum Sexplaneten Risa (bekannt aus Captain’s Holiday) von den Romulanern entführt. Auf ihrem Schiff waschen sie Geordi das Hirn und programmieren ihn, zurück auf der Enterprise ein politisches Attentat auszuführen. Als Fan von The Manchurian Candidate gefällt mir dieses Konzept. Ich mag John Frankenheimers Original von 1962. Noch besser gefällt mir Jonathan Demmes Remake von 2004 (Demme ist ein Meister des Closeups). Eine spannende Variante dieses Stoffes ist auch Mark Pellingtons Arlington Road (1999), in dem ein Terrorismus-Experte gegen seinen Willen einen Terroranschlag durchführt. Zu The Mind’s Eye fällt mir nicht wirklich etwas ein. Die Folge ist gut gemacht, die Themen sind klar geordnet, nett, nett.

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TNG 4.20 – Qpid

Diese Folge sticht vor allem durch ihre Klamauk-Bereitschaft heraus. Picard und seine Crew werden von Q in die Robin Hood-Zeit geschnippst, wo Worf gegen sein knallrotes Outfit protestiert, Data eine Halbglatze hat und La Forge schlecht Mandoline spielt und dabei verträumt den Kopf hin und her schwenkt. Picard (jetzt mit schnittigem Bart) muss Vash retten, seine Urlaubsliebe aus Captain’s Holiday. Sie soll geköpft werden, wenn sie nicht Sir Guy of Gisbourne heiratet. Da sie nicht geköpft werden will, nimmt sie, zu Qs Überraschung, den Antrag an. Auch Picard ist verwirrt, als sich Vash nicht von ihm retten lassen will, also kidnappt er sie einfach. Am Ende sollen Picard und Vash beide geköpft werden und es kommt zum Showdown, inklusive Schwertkampf auf Burgtreppe, wo Patrick Stewart errolflynnt und seinem Gegner alle paar Schwerthiebe einen kühnen Spruch zuwirft.

Das Herz der Folge ist die Picard-Vash-Romanze, insbesondere Picards Schwierigkeiten, zu Vash zu stehen, denn ihre freche Kulturverdrossenheit ist ihm peinlich (sie setzt sich zum Beispiel einfach so auf den Captainstuhl und räkelt sich darin). Die Crew mag Vash (Worfs Kommentar: Nice legs.) und ist amüsiert über die deutlichen Unterschiede zwischen ihr und Picard. Sie sind seine Freunde, sie respektieren seine Gefühle für Vash, auch wenn er das selbst nicht tut. Das ist bei allem Klamauk schön zu sehen. Zumal Picard in seiner Unfähigkeit zu seinen Gefühlen zu stehen fast wie ein kleiner Junge wirkt. Vash ist eine belebende Gastfigur. Selbst Q ist begeistert, und so bietet er ihr am Ende die Chance, mit ihm mitzukommen und das Q-Kontinuum zu bereisen. Vash bejaht.

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TNG 4.18 – Identity Crisis

Geordi La Forge analysiert die Video-Aufzeichnung einer Jahre zurück liegenden Mission und ist dabei ähnlich obsessiv wie die Helden in Blow Up (1966), The Conversation (1974), Profondo Rosso (1975), Blow Out (1981), Ringu (1998) oder Noroi: The Curse (2005). Mich faszinieren Geschichten, in denen genaues Hinschauen oder Hinhören das Audio- und Videomaterial fast in ein Fraktal verwandelt. Geordis analytische Selbstgepräche auf dem Holodeck sind spannend zu schauen und wegen eines mysteriösen Schattens, der eigentlich nicht da sein dürfte, auch recht unheimlich.

Die Folge zeigt LeVar Burton auf der Höhe seiner Kunst, die darin besteht, total enthusiastisch zu sein oder total enttäuscht. Alles dazwischen kann Burton (an diesem Stand der Serie) nicht recht verkaufen. Er ist kein Schauspieler der Nuancen, was vielleicht am Visor liegt, den er als Geordi immer tragen muss. Wer nicht mit den Augen spielen kann, steckt mehr Ausdruck in alles andere, siehe auch Nicolas Cage in Vampire’s Kiss (1989), der dort die ganze Zeit eine Sonnenbrille trägt und Unfassbares mit Gesicht und Körper tut (was er aber wohl ohne Sonnenbrille auch getan hätte). LeVar Burton ist ein großartiger Enthusiast. Geordi liebt es, Dinge zu analysieren und zu konfigurieren. Die auf ihn fokussierten Folgen haben daher immer eine gute Energie.

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TNG 4.16 – Galaxy’s Child

In Booby Trap verliebte sich Geordi La Forge in die Holodeck-Simulation von Doktor Leah Brahms, der Ingenieurin des Warpantriebs der Enterprise. In Galaxy’s Child kommt die echte Leah aufs Schiff, um die Veränderungen zu begutachten, die Geordi an ihrem Antrieb vorgenommen hat. Geordi erfindet einen beruflichen Vorwand, sie abends in sein Quartier zu locken. Dort hat er sich mit Rollkragenpullover aus dunkelrotem Samt besonders schick gemacht, um sie mit einem Dinner bei fuseligem Licht und romantischer Gitarrenmusik zu verführen. Der Fremdscham ist kaum auszuhalten. Dass Geordi alles über Leah weiß, weil er sie im Vorfeld gestalkt hat, macht es noch unheimlicher. Man könnte sich die Folge auch als Horrrofilm vorstellen, in dem Geordi Leah in seinem Quartier gefangen nimmt. Doch die Folge lässt die Beiden ihre Differenzen vor allem in der Begehung der Enterprise austragen. Für den Warp-Antrieb haben beide einen Fetisch. In einer Szene erblickt Leah einen schwarzen Schlauch und ist ganz verzückt, weil dieser schwarze Schlauch irgendwas ganz Tolles mit der Leistung der Enterprise macht.

Die Nebenhandlung dreht sich um ein riesiges Alien, das durchs All treibt. Mal wieder sind alle ganz erstaunt, obwohl Tin Man nicht lang her ist. Das Wesen fühlt sich bedroht, greift die Enterprise an, Picard lässt sanft zurückschießen, doch da stirbt es schon. Aber was ist das? Offenbar war das Wesen schwanger und das Baby will raus. Die Enterprise schneidet die tote Mutter mit dem Phaser auf und das Baby strampelt sich ins All hinaus und hält nun die Enterprise für seine Mutter. Was Riker zum blöd Grinsen veranlasst. Das Baby saugt sich an die Hülle der Enterprise und adere Wesen dieser Spezies sind auf Abfangkurs. Doch Geordi und Leah, mittlerweile Besties, kümmern sich um das Baby.

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TNG 3.6 – Booby Trap

Erster Auftritt Leah Brahms: Ingenieurin des Warp-Antriebs der Enterprise. Geordi erhofft sich von ihr Hilfe bei der Lösung des problem of the week, das die Enterprise diesmal zu zerstören droht. Nur dient Leah nicht auf der Enterprise, sondern arbeitet sonstwo. Also erstellt Geordi eine Holodeck-Simulation von ihr. Auf Geordis Wunsch simuliert das Holodeck nicht nur ihre technische Expertise, sondern auch ihre Persönlichkeit, und zwar mit (laut Computer) 9,37-prozentiger Abweichung von der Real-Brahms. Als während ihres ersten Closeups eine Glitzermusik erklingt, wissen wir: Geordi hat sich verknallt.

Die Folge gibt Einblick in psychosexuelle Abgründe. Wir sehen, wie Geordi die Enterprise fetischisiert, insbesondere den Warp-Antrieb. Als sich Leah und Geordi voneinander verabschieden (sie haben sich an dieser Stelle bereits geküsst), sagt sie sogar: I’m with you every day, Geordi. Every time you look at this engine, you’re looking at me. Every time you touch it, it’s me. Für Geordi ist der Warp-Antrieb nun Leah. Wenn er sie mal wirklich kennen lernt (was in Staffel 4 passiert), könnte ihn überraschen, dass sie gar kein Warp-Antrieb ist.

In Passengers (2016) gibt es ein ähnliches Problem. Chris Pratt läuft einsam auf einem riesigen Raumschiff herum, weil er zu früh aus dem Tiefschlaf geweckt wurde. Irgendwann verliebt er sich in die im Tiefschlaf liegende Jennifer Lawrence und idealisiert sie zum engelsgleichen Wesen. Irgendwann weckt er sie auf und wir sehen: Sie ist genau so, wie er sie sich vorgestellt hatte. Als unfreiwilliger Creep-Film ist Passengers also echt sehenswert.

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Essay Star Trek: The Next Generation

Unaufhaltsame Technologien und freundliche Chefs – TNG 2.16 – Q Who

Q Who ist meine Lieblingsfolge aus The Next Generation. Ich sah sie über die Jahre immer wieder. Auch dieses Mal war ich begeistert. Mit einem Fingerschnipsen schleudert Q die Enterprise in den weit entfernten Delta-Quadranten, um Picard und seine Crew mit den Borg bekannt zu machen.

Die Borg wirken unheimlich mit ihren würfelförmigen Raumschiffen, die nicht mal eine Brücke haben. Im Gegensatz zu uns leben sie nicht in (einer Illusion von) Freiheit. Sie haben keine Bedürfnisse. Sie haben nur ein Ziel: sich im Universum ausbreiten. Sie sind unaufhaltsam. Durch ihre Unaufhaltsamkeit verführen die Borg zu dem verbotenen Gedanken, sich ihnen hinzugeben und sich von ihnen befreien zu lassen von der Last der menschlichen Bedürfnisse rund um Konsum, Soziales, Sinnsuche und so weiter. Es ist wie bei den ebenso unaufhaltsamen Aliens in Invasion of the Body Snatchers (1977). Irgendwann kann man nicht mehr wegrennen und vielleicht ist es gar nicht so schlecht, bodygesnatcht oder Borg zu sein. Die Borg sind eine Demonstration des Unaufhaltsamkeits-Narrativs, das alle möglichen Technologien begleitet. Viele Technologien sind schlecht für uns, zum Beispiel Smartphones und Neurotechnologie. Doch das Narrativ ihrer Unaufhaltsamkeit sorgt dafür, dass wir uns ihnen unterwerfen. Am Ende von Q Who gibt sich die Enterprise-Crew geschlagen, und zwar auf doppelte Art: Erstens gegen die Borg, zweitens gegen Q, den Picard anflehen muss, damit er die Enterprise wieder zurück in den Alpha-Quadranten schnipst.

In den ersten Sekunden der Folge bittet Fähnrich Sonya Gomez den Replikator freundlich nach einer heißen Schokolode. Da stolziert Geordi herbei, überheblich lachend, und erklärt: „We don’t ordinarily say ‘please’ to food dispensers around here.“ Während Geordi diesen Satz sagt, verschwindet sein Lächeln und bei „around here“ hat sich seine Flache-Hierarchie-Lockerheit in eine drohende Forderung verwandelt. Die Serie hat diesen Moment natürlich nicht so gemeint, Geordis Einwurf soll locker wirken und die Cutter schneiden hier auch schnellstmöglich von LeVar Burton weg, damit wir sein gruseliges Schauspiel nicht bemerken. Aber dieser kurze Moment (man kann ihn durch ein Blinzeln verpassen) ist dennoch da und er ist entlarvend. Ich habe viele „antiautoritäre“ Führungskräfte wie Geordi kennen gelernt. Sie machen es genau so. Sie machen einem lockeren Spruch, der das in ihren Augen fehlerhafte Verhalten der ihnen untergebenen Arbeiter scherzhaft kommentiert. Wer daraufhin sein Verhalten nicht korrigiert, sieht ein sterbendes Lächeln auf den Mündern dieser Führungskräfte, denn sie meinen es wirklich todernst. Mit ihrem Humor (oder was sie darunter verstehen) schützen sie sich vor einer Realisierung: Die Regeln des Jobs, um deren Einhaltung sie sich zu kümmern haben, nehmen ihre Persönlichkeiten dermaßen ein, dass man es Persönlichkeitsauflösung nennen kann, eine Assimilation ihrer Persönlichkeiten durch den Job. Fähnrich Gomez’ freundliche Art, den Computer nach einer heißen Schokolade zu bitten anstatt sie zu ordern, verletzt Geordi tief. Es muss lange her sein, dass mal jemand so freundlich zu Geordi war wie Gomez zu diesem Computer. Er ist Mittelstück einer Befehlskette. Er sagt „Ja, Sir“ nach oben und hört „Ja, Sir“ von unten. Gomez’ „please“ hat einen Schmerz in ihm geweckt, den er sofort betäubt, indem er sie zur Rede stellt.

Gomez selbst ist neu. Sie ist aufgeregt, auf dem Flaggschiff der Sternenflotte dienen zu dürfen, vor allem unter Captain Picard. Als sie sich umdreht, um wieder an die Arbeit zu gehen, stößt sie mit Picard zusammen und schüttet die heiße Schokolade über seine (und ihre) Uniform. Auch das ist ein herausragender Moment, denn es ist leicht verstörend, eine Sternenflottenuniform besudelt zu sehen. Der Heiße Schokolade-Fleck schmälert Picards Autorität, er wirkt damit sofort etwas lächerlich. Gomez entschuldigt sich und reibt nervös mit den Händen an Picards Uniform herum, als ginge der Fleck dadurch weg. Picard greift ihre Hand und sagt, sie solle wieder an die Arbeit gehen, er würde einfach seine Uniform wechseln. Es ist die Uniform, die Picard Autorität gibt, nicht er selbst.

Dass Picard ihre Hände berührt, macht Gomez noch nervöser. Regisseur Rob Bowman betont Gomez’ Ehrfucht vor Picard, indem er Picards Hände riesig im Vordergrund filmt, Gomez Gesicht dahinter. Rob Bowman ist einer der wenigen Fernsehregisseure, die sich Mühe und Gedanken machen, Figurendynamiken auf diese stumme Art zu erzählen, anstatt einfach ihre Dialoge abzucovern. Auch deshalb ist Q Who eine brillante Folge, sie ist auch stumm spannend. Wer sich aus irgendeinem Grund für die Geschichte der Fernsehunterhaltung interessiert, muss diese Folge (auch unabhängig von Star Trek) gesehen haben. Ich kann so viel über Q Who sagen, dass ich vielleicht immer mal wieder auf diese Folge zurück kommen werde, wenn andere Folgen zu uninteressant werden.