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Star Trek: The Next Generation

TNG 2.3 – Elementary, Dear Data

Geordi und Data spielen Sherlock Holmes auf dem Holodeck, aber Data löst jeden Fall sofort. So lassen sie den Computer einen Holmes-Fall entwerfen, der Data besiegen kann. Was einen Professor Moriarty erzeugt, der ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass er ein Hologramm auf einem Holodeck auf einem Raumschiff namens Enterprise ist. Moriarty entwirft eine Maschine, mit der er die Enterprise zum Wackeln bringen kann und irgendwie bringt er es fertig, die alleinige Kontrolle über das Holodeck zu erlangen. Sein Ziel: Er will außerhalb des Holodecks weiter leben können. Doch Picard sagt ihm, dies sei nicht möglich. Moriarty sieht das ein und lässt sich deaktivieren. Ende.

Die Folge ist bemerkenswert, weil es überraschend ist, einen dramatischen Konflikt durch Einsicht gelöst zu sehen. Coole Checker wie ich nennen das Antiklimax. Die Spannung steigt und steigt, aber auf dem Höhepunkt entlädt sie sich nicht in einer Konfrontation, sondern sinkt einfach wieder ab. Der Antiklimax enttäuscht bewusst die Erwartung an die Konfrontation. Was klug ist, denn wenn Erwartungen erfüllt werden, vor allem in Fernsehserien, ist das meistens unbefriedigend.

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TNG 1.22 – The Arsenal of Freedom

Stargast in dieser Folge ist Vincent Schiavelli als holografischer Waffenverkäufer. Miloš Forman entdeckte ihn mit seinem ersten amerikanischen Film Taking Off (1971), später besetzte er ihn in One Flew Over the Cuckoo’s Nest (1975), Amadeus (1984), Valmont (1989), The People vs. Larry Flynt (1996) und Man On The Moon (1999). Er war auch als „ulkige“ Nebenfigur in The Frisco Kid (1979), Fast Times And Ridgemont High (1982), Better Off Dead (1985), Batman Returns (1992) und Lord of Illusions (1995). Das Großartige an ihm ist seine verunsichernde Ironie. Alles was er sagt, wirkt wie ein Test.

The Arsenal of Freedom ist eine der besten Folgen der ersten Staffel. Hier müssen zum ersten Mal alle zusammen arbeiten, und zwar an verschiedenen Orten. Picard verarztet Doktor Crusher in einer Höhle. Oberhalb der Höhle kämpfen Riker, Data und Tasha gegen fliegende Schießbälle, die angeblich sehr gefährlich sind, die aber immer daneben schießen. Im Orbit auf der Enterprise muss Geordi das Kommando übernehmen und bekommt es dort auch mit einem Schießball zu tun. Troi berät ihn in Kommandeurs-Empathie, ihre erste hilfreiche Beratung. Selbst Nebenfiguren spielen eine größere Rolle, nämlich zwei junge Lieutenants oder Fähnrichs, frisch von der Akademie, die in ihrer ersten brenzligen Lage stecken. Fähnrich T’Su wird von Catherine Sakai gespielt, bekannt als Commander Sinclairs On-Off-Freundin in der ersten Staffel von Babylon 5. Die Schießbälle mögen albern wirken, aber die Autoren schaffen es zum ersten Mal, zwischen den Mannschaftsmitgliedern ein paar Konflikte aufzubauen, wenn auch seichte.

Dass die ersten beiden Staffeln von The Next Generation oft schwach sind, ist auf Gene Roddenberry zurück zu führen. Er sabotierte die Serie (man muss es so ausdrücken), indem er darauf bestand, dass die Mannschaftsmitglieder der Enterprise keine Konflikte haben dürfen. Unter diesen Umständen verdienen die Autoren eine Menge Respekt, denn die ersten beiden Staffeln sind trotzdem schaubar. Allzu lang hielten es die Autoren aber alle nicht bei der Serie aus.

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TNG 1.14 – Angel One

Sicherheitschefin Lieutenant Tasha Yar, als Teil der Brückencrew, hält sich meist im Hintergrund auf, Arme defensiv verschränkt oder Hände an die Armaturen geklammert. Niemand sieht sie, bis sie plötzlich fehlt. Wenn Tasha eine Rolle spielt, dann die der Entführten (siehe Code of Honour und Hide and Q). Hat sie etwas zu sagen, fährt Picard ihr über den Mund. Alle anderen Hauptfiguren in The Next Generation haben eine eigene starke Ausstrahlung, der stoische Worf, der wissbegierige Wesley, der vertrauenswürdige Picard, der swaggernde Riker, die exotische Troi, der lockere La Forge. Aber was hat Tascha, außer ihrer Kompetenz und einer irgendwie ins Nichts gerichteten Verbissenheit? Sie hat genau diese Unfähigkeit, neben diesen Überpersönlichkeiten zu bestehen, dieses erfolglose Dazugehörenwollen, das vielleicht in späteren Staffeln mehr hätte heraus gearbeitet werden können. Aber Star Trek ist zu inklusiv für Außenseiter.

Ich schreibe das in Zusammenhang mit Angel One, weil Tasha in dieser Episode das Bodenteam leitet und somit etwas mehr zu tun hat als zwei, drei Sätze zu sagen (meist: Aye, Sir!), und weil ich angesichts einer berühmten und drohend aufziehenden Folge nicht weiß, wann ich noch mal Gelegenheit kriege, über sie zu schreiben.

Ansonsten lässt sich über die Folge nicht allzu viel sagen. Es geht um einen Planeten, auf dem Frauen herrschen. Die Serie will, dass man das genauso highly unusual findet wie die Figuren, die ständig betonen wie highly unusual das ist. Auf diesem Planeten werden die Männer zu Sexobjekten degradiert, was ganz im Sinne Commander Rikers ist, der sich, mit diplomatischen Gründen als Alibi, der Begierde der Anführerin hingibt. Was in Tasha Yar und Counselor Troi die Eifersucht weckt. Riker trägt sogar die Kleidung, die Männer hier tragen müssen: ein Oberteil mit breitem und tiefem Ausschnitt zur Darbietung des Oberkörpers und eine Hose, die Weichteile und Hintern zur Betonung abschnürt. Hier gibt’s auch Tashas großen Charaktermoment: Sie sieht Riker in dieser Kleidung, errötet und sagt, er sehe sexy aus. Jedenfalls, auf Angel One stimmt was nicht und die Enterprise muss eingreifen. Am Ende trägt der wieder uniformierte Riker den nun sich hoffentlich bessernden Frauen eine belehrende Rede vor.

Ah, und auf der Enterprise bricht ein Virus aus, das Captain Picard ausknockt, sodass Geordi La Forge das Kommando übernehmen muss. Erster großer Geordi-Moment.