Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG – Star Trek: Nemesis (2002)

Der letzte Star Trek-Film mit der TNG-Crew ist sehr unbeliebt. Wahrscheinlich, weil der Bösewicht (ein Picard-Klon) in der zweiten Hälfte des Films leichtes Spiel hätte, seinen Plan durchzuziehen. Stattdessen lässt er sein überlegenes Raumschiff widerstandslos in seine Einzelteile zerlegen. So wirkt die spektakuläre Eskalation der etwa einstündigen Raumschlacht dramaturgisch unschlüssig. Tom Hardy ist aber ein toller Schauspieler. Seine schneidenden Augen und seine, ja, Aura geben dem Film sein grünes Glühen. Auch hat der Film eine für Star Trek ungewöhnlich fatalistische Atmosphäre. Die Schauspieler scheinen zu wissen, dass dies ihr letzter Auftritt in dieser Konstellation sein wird und schauen oft seltsam ins Leere. Das hat eine Melancholie, die mich damals im Kino rührte und heute auch.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG – Star Trek: Insurrection (1998)

F. Murray Abraham als Bösewicht. Er will ewige Jugend und will dafür einen Planeten ausbeuten, der Ewiges-Leben-Partikel abstrahlt (oder so ähnlich). Dazu will er die Bevölkerung des Planeten ohne ihr Wissen in ein Holodeck umsiedeln und dort einsperren, und zwar mit Unterstützung eines bösen Sternenflotten-Admirals, dessen Lakaienstatus man sofort an seiner hochgezogenen Augenbraue erkennt. Picard und Crew stellen sich natürlich dagegen, legen ihre Sternenflottenabzeichen ab und starten den titelgebenden Aufstand. Wenn alles andere scheitert, ist es immer gut, F. Murray Abraham zuzusehen. Leider ist seine Rolle in Star Trek: Insurrection dermaßen farblos (er steht eigentlich immer nur herum), dass Abrahams genussvolle Boshaftigkeit in ihr nicht recht leuchten kann. Am besten sind die müden Fan-Gag-Momente, die zeigen, wie die Crew im Alltag miteinander umgeht. Riker hat sich zum Bsiepiel den Bart abrasiert, damit Troi ihn küsst, streicht sich vor Data über sein glattes Gesicht und sagt: Smooth as an android’s butt. Data prüft das und schüttelt schmunzelnd den Kopf. Ich hätte gern einen TNG-Film gesehen, der einfach nur Alltagsmomente des Ensembles zeigt, gedreht von Robert Altman.

Kategorien
Essay Star Trek: The Next Generation

Türen und Einsamkeit – TNG 7.25 + 7.26 – All Good Things…

Über diese Folge wurde schon viel geschrieben. Daher hier nur ein, zwei kleine Aspekte. Das Entscheidende ist die letzte Szene, wenn sich Picard nach neunzig Minuten Zeitreise-Abenteuer zum Pokerspiel seiner Besatzung gesellt. Er setzt sich nicht einfach dazu und spielt mit, sondern er bittet erst mal an der Tür um Einlass.

Das Einlass-Ritual um die automatischen Schiebetüren ist eines der Star Trek-Elemente, über die man ein Buch schreiben könnte. Wahrscheinlich wäre ich der einzige Leser. In Star Trek funktioniert das Reinkommen in einen Raum so: Die draußen seiende Person muss an der Tür auf einen Knopf drücken, um um Einlass zu bitten. Die sich drinnen befindende Person hört dann einen Darf-ich-reinkommen-Ton und antwortet mit einem Wort wie „Herein“. Darauf öffnet sich die Tür. Diese Situation kennt zwei Zustände: Offen und Zu. Physische Türen kennen unzählige weitere Zustände. Sie können weit offen stehen, halb offen, einen Spalt breit offen und alles Mögliche dazwischen und jeder dieser Offenheits-Grade kommuniziert den sich draußen befindenden Personen etwas anderes. Auf physischen Türen können Sticker kleben, die zeigen, wer in diesem Zimmer wohnt. Schilder an der Türklinke können Botschaften an die vermitteln, die an der Tür vorbeigehen. Unter manchen Türen kann man Briefe durchschieben. Physische Türen sind also nuancierte Kommunikationsmedien einerseits und Ausdruck von Persönlichkeit andererseits. Solche Nuancen gibt es bei den automatischen Star Trek-Schiebetüren nicht: Hier heißt es entweder Ja oder Nein, Offen oder Zu, Null oder Eins. Die Computer und die Binarität haben in Star Trek Besitz von den Türen ergriffen und damit auch vom zwischenmenschlichen Zusammenleben.

Die Türen machen das Zusammenleben auf der Enterprise zu einem Konstrukt aus strikten Grenzen. Wie sich das auf soziale Strukturen auswirkt, wäre Thema eines sozialwissenschaftlichen Buches mit Star Trek als Anschauungs-Objekt. Das Interessante ist ja, dass die Smart-Türen auf der Enterprise die zwischenmenschlichen Feinheiten beim Betreten eines Zimmers vereinfachen sollen, eigentlich aber alles nur verkomplizieren. Allein schon, weil die Person, die sich drinnen befindet, nie weiß, wer da eigentlich gerade vor der Tür steht und rein will. Und in sieben Staffeln Star Trek: The Next Generation, also in 178 Folgen (über jede einzelne habe ich geschrieben, überwiegend belanglosen Kram), wird keine einzige Einlass-Bitte mit einem „Nein“ beantwortet. Manchmal blökt Picard ein „Not now!“, doch dann drückt die draußen stehende Person so lange den Darf-ich-reinkommen-Knopf, bis Picard so genervt ist, dass er die Person doch herein lässt. Trotz strikter und einfach wirkender Grenzen und einem technisch ausgeklügelten Türöffnungs-Ritual scheint es sehr schwierig zu sein, auf einem Föderations-Raumschiff seine Ruhe zu haben.

Jedenfalls: Die letzte Szene: Picard bittet um Einlass. Commander Riker, Commander Data, Commander La Forge, Lieutenant Worf, Doktor Crusher und Commander/Counselor Troi lassen ihn rein. Zuerst sind sie alarmiert und glauben, es gäbe ein Problem. Doch Picard fragt nur verschüchtert, ob er mitspielen darf. Sie rücken zusammen und ziehen einen Stuhl für ihn heran. Picard schaut in die Runde und sagt: „I should have done this a long time ago.“ Die ganzen sieben Staffeln lang war er ein extrem respektierter Captain, bei seiner Crew, seinen Vorgesetzten und seinen Feinden. Aber er war auch immer distanziert und allein. Jetzt spielt er zum ersten Mal mit den anderen Poker und lässt sich auf eine Freundschaft mit ihnen ein.

Darauf folgt der wichtigste Moment in dieser Szene. Troi sagt: „You’re always welcome.“ Dieser Satz ist für Picard und fürs Publikum. Die Utopie von Star Trek, insbesondere die von The Next Generation, dreht sich nicht so sehr um politische Dinge, wie zum Beispiel, dass die Menschen gelernt haben, ohne Geld auszukommen. Die Utopie von Star Trek liegt viel mehr in der Vorstellung, dass es da diesen Kreis aus Leuten gibt, die immer bedingungslos deine Freunde sind und die dich nie verraten und die dich immer willkommen heißen. Deshalb schauen Star Trek-Fans diese Serien auch Jahrzehnte später immer wieder komplett an und quälen sich durch viele mittelmäßige Folgen. Star Trek-Fans wissen, dass das echte Leben aus Macht- und Gewaltverhältnissen besteht und tiefe Vetrauensverhältnisse wie die in TNG gezeigten (in jeder Folge vetrauen die Figuren einander ihr Leben an) extrem selten sind. Der Weltraum, wie er im Intro abgebildet wird, ist der Inbegriff von Einsamkeit, denn die bunten Sterne, Planeten, Nebel und kosmischen Phänomene interessieren sich nicht für uns. Im Weltraum ist alles und jeder einsam. Die Utopie von Star Trek besteht in der radikalen Ablehnung dieser Einsamkeit.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 7.19 – Genesis

In der ersten Hälfte bricht auf der Enterprise ein Virus aus, das dazu führt, dass zuerst die ganze Besatzung gereizt und ängstlich wird. Das äußert sich zum Beispiel in einem immer erratischer werdenden Lieutenant Barclay oder in einem extrem sexgierigen Worf (der sich mit Troi paaren muss und ihr in die Wange beißt) oder in einem immer dümmer werdenden Commander Riker oder auch darin, dass die Crewmitglieder nach und nach immer seltsamer gehen. In der zweiten Hälfte kommen dann Data und Picard von einem Shuttleflug zurück und stehen vor vollendeten Tatsachen: Die Enterprise ist im Chaos, die Besatzung hat sich in Spinnen, Kröten und Primaten verwandelt. Selbst Spot, Datas Katze, hat sich in eine Echse verwandelt.

Regie führte Gates McFadden. Sie kann stolz sein auf diese wunderbare Horrorfolge. Die Enterprise ist dunkel und Schreie hallen durch die Korridore. Wenn Picard und Data im vorderen Teil der dunklen Brücke stehen, scheinen sich die Schatten im Hintergrund zu bewegen. Dieses Ausmaß an Dunkelheit ist mutig für eine TV-Serie. Auch mutig ist, dass die Folge an zwei Stellen darauf aus ist, dem Publikum einen heftigen Schrecken einzujagen. In früheren Horrorfolgen gab es auch schon Jump Scares, aber die waren paradoxerweise immer gedämpft inszeniert, als sei das wichtigste an einem Jump Scare, dass sich das Publikum so wenig wie möglich erschreckt. Das mag daran liegen, dass The Next Generationo Besänftigungsfernsehen ist. Man schaut die Serie, um sich vom eigenen Leben abzulenken. Man ist vertraut mit dem Raumschiff und der Atmosphäre der Serie. Ein Jump Scare würde diese katatonische Besänftigung nur stören. Nicht in Genesis, hier gibt’s gleich zwei.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 7.17 – Masks

Die Enterprise trifft auf einen Kometen, in dessen gefrorener Mitte sich ein außerirdisches Bauwerk befindet, das die Enterprise mit einer Art Virus infiziert, der dafür sorgt, dass lauter Symbole auf den Schiffscomputern erscheinen und die Enterprise sich langsam in einen religiösen Tempel verwandelt. Das ist lustig und Data tritt als Medium auf, das verschiedenste Persönlichkeiten der antiken Spezies in sich vereint.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 7.16 – Thine Own Self

Data landet in einem Dorf, das technisch noch im Mittelalter steckt. Seine Uniform ist zerrissen, er hat sein Gedächtnis verloren, weiß nicht, wer er ist und woher er kommt. Die Dorfbewohner halten ihn für einen Iceman aus den Bergen. Er hat einen Koffer dabei. Auf dem Koffer steht in roter Warnschrift das Wort Radioactive. Die Dorfbewohner wissen nicht, was das bedeutet. Data weiß es auch nicht. Sie öffnen den Koffer und holen hübsche glänzende Steine heraus und verteilen und verkaufen sie im Dorf. Nach und nach werden die Menschen des Dorfes krank. Data, der nach wie vor über seine kognitiven Fähigkeiten verfügt, versucht die Ursache der Krankheit zu finden und erarbeitet sich methodisch das Wissen, um die Ursache der Krankheit zu finden und die Bewohner zu heilen. Es ist eine gut erzählte Geschichte. Ein Mädchen hilft ihm dabei, während sie selbst strahlenkrank wird, gespielt von Kimberly Cullum, sehr gute Jungdarstellerin, die Anfang der Neunziger in anderen Serien und auch in ein paar Filmen war. Währenddessen lässt sich Troi auf der Enterprise zum Commander befördern. Um den großen Commandertest bestehen zu können, erteilt Riker ihr eine weise Lektion.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 7.10 – Inheritance

Data lernt die Ehefrau von Doktor Noonian Soong kennen. Sie behauptet, dass sie an der Entwicklung von Data mitgewirkt hat, sieht sich als „Mutter“ und redet über seine Programmierung wie über Erziehung. Wenn Data sich in jungen Jahren falsch verhalten hat, haben die „Eltern“ ein Programm geschrieben, um das falsche Verhalten auszumerzen. Kindern treibt man gern ihre Persönlichkeit und ihre Interessen aus und ersetzt sie durch Gehorsamkeit. Wenn die Herstellung von Menschen im Reagenzglas irgendwann normal ist, wird Gehorsamkeit wohl schon in den Genen stecken.

Doktor Noonian Soong ist der Doktor Frankenstein von The Next Generation. Soong wollte sich mit seinen Androiden tatsächlich Kinder schaffen. Und als seine Frau starb, baute er seine Frau originalgetreu nach. Wie Inheritance zeigt, baute er sie nicht nur originalgetreu nach, sondern entsprechend des Ideals, das er von ihr hatte. Er pflanzte ihr sogar über-idyllische Erinnerungen an die gemeinsame Zeit ein.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 7.9 – Force of Nature

Im ersten Drittel der Folge geht es viel um Datas Versuche, seine Katze Spot zu trainieren. Das klappt nicht, da Spot nicht macht, was Data sagt. Ich finde das gut, denn dadurch gibt es viele Katzen-Szenen. Je mehr Katzen-Szenen, desto besser. Im Rest der Folge geht es dann um irgendwas anderes mit Ferengis und dem negativem Einfluss des Warp-Antriebs aufs Universum als Klimawandel-Anspielung.

Zurück zur Katze! Geordi La Forge scheint Spot nicht zu mögen. Er will, dass Data sie trainiert. Ein mal schlägt er vor, die Katze, wenn sie nicht hört, mit einem Phaser zu betäuben. Data ist völlig schockiert von dieser Aussage. Als Geordi sagt, dass das ein Witz war, ist Data immernoch schockiert. Data liebt seine Katze.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 7.6 – Phantasms

Die vielleicht beste Horrorfolge der Serie. Data träumt schlimm, zum Beispiel, dass Doktor Crusher per Strohhalm Rikers Hirn weglutscht und sich ein Stück von einer Torte abschneidet, die aussieht wie Counselor Troi. Dann klingelt das Telefon, er sucht danach und stellt fest, dass es in seinem Bauch ist. Er öffnet den Mund und Piepen ertönt. Die Träume verfolgen ihn auch in den Wachzustand, wo er manchmal Münder an den Körpern seiner Kollegen sieht. Und er hat einen seltsamen Drang, Troi zu erstechen. Was er auch tut, in einer Dressed To Kill-Fahrstuhlszene.

Um die Träume zu verstehen (und die seltsamen Fehlfunktionen an Bord der Enterprise), konsultiert Data Sigmund Freud auf dem Holodeck, dessen Analysen ihm aber nicht helfen. Später laufen auch Picard und La Forge in Datas Träumen herum und versuchen, sie zu entschlüsseln. Stellt sich raus, dass es für alles, was in Datas Träumen geschieht, eine richtige Interpretation gibt. Nämlich haben unsichtbare Parasiten die Enterprise gekapert und die Symbole in Datas Träumen geben genau Aufschluss darüber.

Susan Sontags berühmtester Essay ist wohl Against Interpretation (1966). Darin kritisiert sie den Ansatz, Kunst durch Interpretation eine klare Bedeutung anzudichten. Diese Art der Kunstbetrachtung zerstört laut Sontag die Kunst und auch das Verhältnis des Publikums zur Kunst, da sie Kunst einer Funktion unterwirft, nämlich der Funktion von Bedeutung. Genau das sehen wir auch in Phantasm: Traumbilder, die im Rahmen dieser sonst eher zahmen Serie durchaus verstörend wirken, verlieren am Ende der Folge ihre Sinnlichkeit, indem ihnen eine klare Bedeutung zugeschrieben wird.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 7.5 – Gambit, Part 2

Weiterhin kommandiert Data das Schiff und bestellt Worf in den Ready Room. Worf hat nämlich Datas Anweisungen vor versammelter Brückencrew in Frage gestellt. Es ist niedlich, wie die Beiden den Konflikt lösen und sich gegenseitig ihre Freundschaft versichern. Ansonsten sieht man Worf hier mal wieder lächeln. Und es gibt eine Psychowaffe, gegen die man sich wehren kann, indem man den Kopf von bösen Gedanken befreit (was bei der Sternenflottencrew natürlich perfekt funktioniert, denn da hat niemand böse Gedanken) und einen Bösi, der sich am Ende doch nur als unfreiwilliger Lakai des echten Bösis heraus stellt.