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Star Trek: The Next Generation

TNG 2.19 – Mahunt

Nach Conspiracy (1.25) die zweite Folge, in der Data lacht (ich führe Buch). Nach Haven (1.11) die zweite Folge mit Counselor Trois Mutter, Lwaxana Troi, und ihren ständig saufenden Diener Homn. Der Gag mit dem schweren Gepäck geht diesmal auf Rikers Kosten.

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Essay Star Trek: The Next Generation

Inspirierende Behinderte und monströse Behinderte – TNG 2.5 – Loud as a Whisper

Behinderung und wie man damit umgeht ist das Thema dieser Folge. Was interessant ist, weil wir viel über eine Gesellschaft lernen können, indem wir ihren Umgang mit behinderten Menschen betrachten.

Die Enterprise begleitet einen taubstummen Mediator namens Riva zu Friedensverhandlungen. Riva hat drei Diener/Betreuer, die nonverbal mit ihm kommunizieren und die für ihn hören und sprechen. Riva nennt sie seinen Chor. Riva wird als mythische Gestalt inszeniert. Sobald er auftaucht, erklingt ätherische Sphärenmusik. Die Enterprise-Mannschaft ist fasziniert, wie dieser Taubstumme sein Leben lebt. Riva bringt jedes Mitglied der Brückencrew durch erhebende Worte zum Lächeln und Staunen. Riva verkörpert den inspirierenden Behinderten, der, durchströhmt von Weisheit, den Nichtbehinderten hilft, die Schönheit in sich selbst zu sehen. Das ist der gesellschaftliche Zweck des inspirierenden Behinderten. Loud as a Whisper konkretisiert diesen Zweck sogar in Rivas Beruf als Friedensstifter. Seine Behinderung gibt ihm die Kraft, alles und jeden zu befrieden.

Im Lauf der Friedensverhandlungen wird Rivas Chor getötet. Nun kann er mit niemandem mehr kommunizieren, ist auf seine Behinderung reduziert, ist verzweifelt und will die Verhandlungen abbrechen. Captain Picard will das nicht akzeptieren, schließlich muss auf diesem Planeten irgendwie der Frieden einkehren. Doch Picard kann Riva nicht überzeugen, da er nicht Gebärdensprache spricht. Die Episode gibt sich einfühlsam und verständnisvoll, doch aus dramaturgischer Sicht ist Riva ab jetzt der Antagonist, denn er weigert sich, seine Rolle als inspirierender Behinderter weiter zu spielen. Das dramatische Ziel besteht darin, Riva zu überzeugen, die Verhandlungen weiter zu führen. Riva verkörpert jetzt den Behinderten als Monster, besonders sichtbar in der Szene, in der Picard seltsam aggressiv auf Rivas Gebärdensprache reagiert, die ihm unverständlich, fuchtelig, irre erscheint.

Doch Data macht sich innerhalb weniger Minuten zum Gebärdendolmetscher und so kann Counselor Troi den entscheidenden Rat erteilen: Riva soll aus seiner Behinderung einen Vorteil machen. Das motiviert Riva, sodass er sich sofort auf den Planeten beamen lässt, um die Friedensverhandlungen allein weiter zu führen. Riva plant, die verfeindeten Parteien zu befrieden, indem er ihnen Gebärdensprache beibringt. Mit dieser Wiedereingliederung Rivas in seine ihm zugedachte Rolle endet die Folge.

Trois Rat, aus einer Behinderung einen Vorteil zu machen, wird dem Publikum als motivierend verkauft. Dabei ist dieser Rat eine gängige Erziehungsmaßnahme, die ein Leistungsimperativ schafft, nach dem sich Behinderte besonders behaupten müssen, und zwar nicht für sich selbst, sondern für die Normalität. Wenn nämlich ein Behinderter einen Erfolg erzielt, dann ist das kein normaler Erfolg, sondern der Erfolg eines Behinderten. Das schmeichelt unserem Bild der Normalität. Ach wie schön, wenn selbst das „Abnormale“ in unserer Normalität seinen Platz findet. Doch will ein Behinderter diese Rolle nicht mitspielen, ist das befremdlich, beänsgstigend, monströs.

Unsere Normalität sortiert Behinderte in ein Spektrum zwischen monströs und inspirierend ein. Will ein Behinderter sich dieser Einsortierung entziehen, landet er automatisch auf der monströsen Seite. Mir fällt nur ein einziger Film ein, der eine behinderte Figur zeigt, die sich dieser brutalen Normalität entzieht, und zwar Lars von Triers Dancer In The Dark (2000). Die von Björk gespielte Hauptfigur hält ihre Sehbehinderung geheim. Um behandelt zu werden wie ein Mensch, muss sie ihre Behinderung verstecken.

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Star Trek: The Next Generation

TNG 2.1 – The Child

Wie behandelt man eine Schwangere? Als Picard erfährt, dass Counselor Troi schwanger ist, beruft er sofort eine Sitzung ein, in der die Offiziere in Trois stummer Anwesenheit über das Für und Wider einer Abtreibung diskutieren. In der Nacht wurde Troi von einer außerirdischen Lichtkugel vergewaltigt. Während sie schlief, drang die Kugel erst in ihr Quartier ein und dann in sie. Troi will das Kind behalten. Die Schwangerschaft dauert zwei Tage. Bei der Geburt steht Data ihr bei, aufgeregt-neugierig. Worf, samt Sicherheits-Schergen, beglotzt die Geburt. Auch Riker hat sich irgendwo versteckt, um seiner Deanna heimlich beim Gebären zuzusehen. All das ist in extremen Gesichts-Nahaufnahmen aufgelöst, wie in Dreyers La Passion de Jeanne d’Arc (1928). Immerhin beruhigt Doktor Pulaski mit lockeren Sprüchen, sodass es nur so flutscht.

Neben dem Wunder der Geburt gibt’s auch die Wunder eines Staffelauftakts: Riker jetzt mit Bart, Troi mit offenen Haaren und neuem Outfit, Geordi und Worf mit gelben Uniformen, Wesley mit Sternenflotten-Emblem auf dem Herzen und Chief O’Brien hängt den ganzen Tag im Transporterraum ab. Mit der Bar Ten Forward gibt’s ab jetzt ein neues Set. Hinterm Tresen steht Whoopi Goldberg als Guinan und hilft direkt mal, kraft ihrer überirdischen Weisheit, dem kleinen Wesley bei einer schwierigen Entscheidung.

Ich mache mich wohl zum Ketzer, wenn ich sage: Die beste Neuerung der zweiten Staffel ist Doktor Katherine Pulaski. Die Enterprise ist bevölkert von unterwürfigen Langweilern, zumindest an diesem Punkt der Serie. Da ist Pulaski mit ihrer levitenlesenden Art eine große Auflockerung.

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TNG 1.11 – Haven

Hier mal eine Folge über Counselor Deanna Troi, deren Funktion auf der Enterprise darin besteht, dem Captain zu sagen, was sie fühlt, denn als halb Mensch und halb Betazoidin ist sie außergewöhnlich empathisch, was Captain Picard bei diplomatischen oder militärischen Entscheidungen helfen soll. Richtig nützlich sind ihre Fähigkeiten nicht, sie sagt immer nur Offensichtliches. Sie verleiht der Brücke mit ihrem Lächeln, ihrer Güte und ihrem tiefen Ausschnitt ein Element von Weiblichkeit. Sie ist die „richtige“ Frau der Besatzung. Deshalb zieht Marina Sirtis ständig ihren Bauch ein. Zugleich ist ihr Gesicht meistens das erste, von dem uns die Serie eine Großaufnahme zeigt, sobald die Enterprise in eine Situation gerät, in der eine diffuse Gefahr lauert. So sollen wir unsere Alarmiertheit auf sie projizieren.

Diese erste Troi-Folge handelt von einer arrangierten Ehe. Troi soll den betazoidischen Traditionen entsprechend einen jungen Arzt heiraten, den sie noch nie zuvor gesehen hat. Besonders knistern tut es nicht, aber Liebe ist ungleich Beziehung und so ergeben sich beide ihrem Schicksal. Es ist seltsam, dass Troi hier einfach so ihren Beruf auf der Enterprise aufgeben will, aber so weit kommt es dann aus Plotverwicklungsgründen doch nicht. Der junge Arzt sah nämlich schon seit der Kindheit in seinen Träumen eine ganz andere Frau, die dann am Ende auch zufällig auftaucht (auf einem anderen Raumschiff) und zu der er sich dann auch direkt rüber beamen lässt.

Dafür dass sich die Folge ohne viel Konflikt fast von allein in Wohlgefallen auflöst, zählt sie zu den unterhaltsamsten der ersten Staffel, was vor allem an Lwaxana Troi liegt, Deannas aufbrausender Mutter, die Picard ihr viel zu schweres Gepäck schleppen lässt. Höhepunkt ist ein feierliches Abendessen mit Brautpaar, verfeindeten Schwiegereltern und höchsten Enterprise-Offizieren, bei dem Data, der ja keine Nahrung zu sich nehmen muss, wie eine neugierige Katze herumschleicht und die Charakterdynamiken analysiert. Die Szene ist ein komödiantisches Stück um hohle Floskeln, heimliche Blicke und peinliche Stille. Zudem ist die Szene ein gutes Beispiel dafür, dass Fernsehregisseure meist besser als Kinoregisseure sind, wenn es um die Inszenierung von Tisch-Situationen geht, mit all den zu händelnden Blickachsen.

Und nicht zu vergessen: Carel Struycken, auch bekannt als der Riese in Twin Peaks oder als Lurch in The Addams Family, spielt Mr. Homn, Lwaxanas Diener. Die gesamte Folge über sagt er nichts (außer in der letzten Szene), aber mit dem hohen Kopf, dem enormen Kiefer, den tief in den Höhlen liegenden Augen und seiner schieren Körpergröße befriedigt er am ehesten die Schaulust. Wann immer jemand besetzt werden soll, der sich inmitten „normaler“ Menschen als „komisch“ begaffen lässt, nimmt man Carel Struycken.