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Star Trek: The Next Generation

TNG 5.24 – The Next Phase

Diese Folge zeigt, warum sich Doktor Pulaski so ungern beamt. Geordi La Forge und Fähnrich Ro gehen bei einem Beamer-Unfall verloren und werden für tot erklärt. Doch tot sind sie gar nicht. In Wahrheit laufen sie immer noch lebend auf der Enterprise herum, nur sind sie jetzt unsichtbar und können durch Wände und Personen hindurch laufen. Ro glaubt sofort, sie seien Geister. Geordi glaubt an eine technische Erklärung (Are you saying I’m some blind ghost with clothes?), findet auch eine und versucht, Data auf sich aufmerksam zu machen. Das hat viel Ähnlichkeit mit Ghost (1990), in dem Patrick Swayze als Geist versucht, seiner hinterbliebenen Geliebten mittels Spuk Zeichen zu geben. In The Next Phase stellt sich schnell heraus, dass der Beamer-Unfall auf die fiesen Romulaner zurückzuführen ist, die nämlich eine Tarn-Technologie entwickelt haben, mit der sich einzelne Personen tarnen können. So getarnte Personen können sich gegenseitig sehen, aber können von sonst niemandem gesehen werden. So getarnte Personen haben außerdem keinen Einfluss auf ihre Umwelt, sie hinterlassen aber, wenn sie durch Wände laufen oder Energie frei setzen, Spuren, denen man per Scanner folgen kann.

Ein Konzept, das auch Christopher Nolan für einen seiner Filme nutzen könnte (aber wohl nicht ganz so unterhaltsam umsetzen würde) und das zu einer der besten Szenen der Serie führt, nämlich einer Doppel-Verfolgungsjagd: Ein ebenfalls getarnter Romulaner verfolgt Fähnrich Ro durchs Schiff. Sie laufen dabei durch Wände hindurch und durch die privaten Quartiere der Enterprise. Während also Fähnrich Ro und der Romulaner im Vordergrund kämpfen, sieht man im Hintergrund ein Pärchen miteinander abendessen. Zugleich jagt Data den Energiespuren hinterher, deren genaue Ursache er selbst noch nicht kennt. Hier gibt’s dann tatsächlich auch Citizen Kane-artige Tiefenschärfe-Kompositionen mit drei gleichzeitig ablaufenden Handlungen auf verschiedenen Tiefenebenen.

Am Ende müssen Geordi und Ro auf ihrer eigenen Beerdigungsfeier möglichst viel Radau machen, um möglichst viele Spuren zu hinterlassen, damit endlich jemand bemerkt, dass sie noch am Leben sind. Es ist eine tolle Folge mit Twilight Zone-Konzept, einfallsreicher Action und Witz. Allerdings gibt es eines dieser Enden, bei denen jemand einen schlechten Witz macht, über den dann gelacht wird.

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Film

Tenet (2020)

In Tenet geht es um eine Superwaffe, die es möglich macht, rückwärts durch die Zeit zu laufen. Betonung liegt auf Laufen, denn es ist kein Sprung hin zu einem bestimmten Punkt in der Zeit, sondern man läuft tatsächlich in der Zeit rückwärts, also gegen den Vorwärtsgang der Zeit. Das ist, als würde man eine Rolltreppe, die runter fährt, hoch laufen. Oder als würde man diesen Text hier rückwärts lesen. Oder als würde man vorwärts durch einen Film laufen, der rückwärts abgespielt wird.

Diese High Concept-Idee ist eingewoben in eine James Bond-Handlung: Ein russicher Bösi (Kenneth Branagh), der ein Bondgirl (Elizabeth Debicki) gefangen hält, will mit besagter Superwaffe die Welt zerstören. Der Held (John David Washington), ein superkrasser Geheimagent, muss das verhindern und zugleich das Bondgirl retten. Dabei spielen alle ein doppeltes Spiel und jeder Plan ist in Wahrheit nur Tarnung für den wahren Plan, der aber auch nur Tarnung für einen noch wahreren Plan ist, und so weiter. Ab der Mitte hab ich nichts mehr verstanden, trotz ständiger Erklär-Dialoge. Ich weiß nur, dass der Film will, dass wir wissen, dass die Männer maximal potent sind, mit teuren Anzügen und BMW. Es gibt auch Frauen in dem Film, drei Stück: Eine erklärt die Grundlagen von Tenet (danach ist sie weg), die zweite ist eine Matriarchin (klar, die muss auch weg), und die dritte ist das Bondgirl. Sie muss gerettet werden, denn sie ist Mutter. Dem Film ist sehr wichtig, dass wir das nicht vergessen. Ein mal erklärt jemand (mal wieder), dass die gesamte Menschheit auf dem Spiel steht, darauf sagt Bondgirl „including my son“. Zudem zeigt der Film Bondgirl mehrfach bei der Ausübung ihrer höchsten Mutterpflicht, nämlich Sohn-von-Schule-Abholen. Was auch das Schlussbild des Films ist. Gerettete Welt, gerettete Mutterpflicht.

Der Spaß des Films versteckt sich in den Szenen, in denen man nichts versteht. Zum Beispiel fährt ein Auto auf der Gegenfahrbahn, und die entgegen kommenden Autos fahren rückwärts, weil wir gerade rückwärts durch die Zeit fahren, während der Held aus einem rückwärts aber eigentlich vorwärts fahrenden Auto beschossen wird, wobei die Kugeln rückwärts fliegen aber eigentlich auch vorwärts, während er einen wichtigen Koffer rückwärts und zugleich vorwärts klauen muss und irgendwie so. In diesen „invertierten“ Actionszenen zerreißt Tenet die Standards des Actionkinos (Verfolgungen, Schießereien, Prügeleien) und näht sie danach nicht wieder zusammen. Die Bewegungen haben keinen Anfang und kein Ende, vorwärts und rückwärts verschmelzen. Das macht den Film sehenswert. Zugleich ist die Action miserabel gemacht. In den Schießereien weiß man nie, wer wo ist. Die Verfolgungsjagden wirken nie schnell und gefährlich. Die Kampf-Choreografien sind wirres Gefuchtel ohne Gefühl für Rhythmus oder für die Ausdruckskraft von Kampfposen. Es ist eine Bilderflut, die verwirrt, fasziniert und erdrückt, die aber kaum mitreißt oder etwas Spannendes erzählt.

Christopher Nolan sollte besser Produzent sein. Es gingen schon viele seiner guten Ideen an sein Regietalent verloren. Er erzählt Tenet komplett in Dialogen. Die Kamera ist nur dazu da, die Dialoge zu filmen. Manchmal fährt sie dabei an die Schauspieler heran und manchmal fährt sie seitwärts. Spielt der Dialog an einem hübschen Ort, steigt Nolan in den Hubschrauber und macht davon eine Postkarten-Aufnahme. Nolans Kamera ist rein dekorativ, sie zeigt uns keine entlarvenden Blicke oder verborgenen Gefühle. Die ganze Zeit läuft Musik, dröhnend, wabernd, wummernd, stampfend. Je lauter die Musik, desto schlechter der Dialog. In den Dialogen wird entweder etwas erklärt oder es wird ein Plan verhandelt. Daraus folgt manchmal eine Actionszene, die das in den Dialogen Gesagte einfach nur illustriert. Beispiel: Die LKW-Sandwich-Sequenz. Hier geschieht nichts. Der Held klettert in voller Fahrt über die Leiter eines Feuerwehrwagens auf ein LKW-Dach, ohne Probleme. Das könnte eine Szene über jemanden sein, der sich in Todesangst an eine Leiter klammert, sie könnte ein unvergessliches Action-Setpiece sein. Aber Nolan verbietet jede Abschweifung, nichts darf seinem miefigen Plot in die Quere kommen, denn die Uhren an den Handgelenken der GQ-Coverboys ticken teuer. Die wenigen Szenen, die der Film auskostet, sind die, in denen Bondgirl der Gewalt ihres Mannes ausgeliefert ist.