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Star Trek: The Next Generation

TNG 1.23 – Skin of Evil

Zu Beginn dieser Folge flirtet Tasha mit Worf. Er komplimentiert ihre Kampf-Fähigkeiten, da schaut sie ihn ganz verliebt an. Nie kriegt sie Komplimente. Zehn Minuten später ist sie tot. Ein sadistisches Glibbermonster hat sie getötet, weil es einfach Lust dazu hatte. Anstatt selbst zum Bodenteam zu gehören, möchte Worf den Einsatz gegen das Glibbermonster lieber von der Enterprise aus koordinieren. In Wahrheit ist er einfach traurig und wütend und will nicht an den Ort ihres Todes.

Statt uns zum Schluss einer endlosen Wiederbelebungsszene auszusetzen und einer peinlichen Bestattung auf einer Windows-XP-Wiese, hätte ich lieber Worf gesehen, wie er sein klingonisches Bestattungsritual (laut Schreien) an Tasha ausführt. Traurig ist ihr Tod trotzdem. Umso seltsamer, wenn dann mitten in der Trauer der Abspann mit Jerry Goldsmiths beschwingtem Star Trek-Theme einsetzt. Das Format einer Fernsehserie war damals noch schön unbarmherzig. Ich bin gegen gefühlsduselige Songs am Ende einer Serienfolge. Der Serienspaß muss knallhart weiter gehen.

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TNG 1.22 – The Arsenal of Freedom

Stargast in dieser Folge ist Vincent Schiavelli als holografischer Waffenverkäufer. Miloš Forman entdeckte ihn mit seinem ersten amerikanischen Film Taking Off (1971), später besetzte er ihn in One Flew Over the Cuckoo’s Nest (1975), Amadeus (1984), Valmont (1989), The People vs. Larry Flynt (1996) und Man On The Moon (1999). Er war auch als „ulkige“ Nebenfigur in The Frisco Kid (1979), Fast Times And Ridgemont High (1982), Better Off Dead (1985), Batman Returns (1992) und Lord of Illusions (1995). Das Großartige an ihm ist seine verunsichernde Ironie. Alles was er sagt, wirkt wie ein Test.

The Arsenal of Freedom ist eine der besten Folgen der ersten Staffel. Hier müssen zum ersten Mal alle zusammen arbeiten, und zwar an verschiedenen Orten. Picard verarztet Doktor Crusher in einer Höhle. Oberhalb der Höhle kämpfen Riker, Data und Tasha gegen fliegende Schießbälle, die angeblich sehr gefährlich sind, die aber immer daneben schießen. Im Orbit auf der Enterprise muss Geordi das Kommando übernehmen und bekommt es dort auch mit einem Schießball zu tun. Troi berät ihn in Kommandeurs-Empathie, ihre erste hilfreiche Beratung. Selbst Nebenfiguren spielen eine größere Rolle, nämlich zwei junge Lieutenants oder Fähnrichs, frisch von der Akademie, die in ihrer ersten brenzligen Lage stecken. Fähnrich T’Su wird von Catherine Sakai gespielt, bekannt als Commander Sinclairs On-Off-Freundin in der ersten Staffel von Babylon 5. Die Schießbälle mögen albern wirken, aber die Autoren schaffen es zum ersten Mal, zwischen den Mannschaftsmitgliedern ein paar Konflikte aufzubauen, wenn auch seichte.

Dass die ersten beiden Staffeln von The Next Generation oft schwach sind, ist auf Gene Roddenberry zurück zu führen. Er sabotierte die Serie (man muss es so ausdrücken), indem er darauf bestand, dass die Mannschaftsmitglieder der Enterprise keine Konflikte haben dürfen. Unter diesen Umständen verdienen die Autoren eine Menge Respekt, denn die ersten beiden Staffeln sind trotzdem schaubar. Allzu lang hielten es die Autoren aber alle nicht bei der Serie aus.

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TNG 1.21 – Symbiosis

RIKER (über Sonneneruptionen):
The violence of those eruptions is awesome.

TASHA (über Drogen):
Wesley, on my home world, there was so much poverty and violence that for some people, the only escape was through drugs.
WESLEY:
How can a chemical substance provide an escape?
TASHA:
It doesn’t. But it makes you think it does.
WESLEY:
I guess I don’t understand.
TASHA:
Wesley, I hope you never do.
Data schaut verwirrt. In was für einer Serie bin ich eigentlich?

PICARD (zu Crusher):
Beverly, the Prime Directive is not just a set of rules, it is a philosophy, and a very correct one. History has proved again and again that whenever mankind interferes with a less developed civilization, no matter how well intentioned that interference may be, the results are invariably disastrous.

Möööp.

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TNG 1.20 – Heart of Glory

Worf spielte bislang in keiner Folge eine Rolle, die über gelegentliche Meinungsäußerungen hinaus ging. Jetzt tauchen zum ersten Mal Klingonen auf, in einem bedrohlichen Warbird. Und klickende Percussions zitieren Jerry Goldsmiths Klingonen-Theme aus Star Trek: The Motion Picture, ein freudig-martialische Stück. Eine sonst eher najaige Folge wird dadurch etwas besser.

Die Kriegsverherrlichung der Klingonen kommt vor allem in der martialischen Poetik ihrer Sprache zum Ausdruck. Hier vor allem in einer Dialogsequenz in Worfs Quartier, die in einem langen Mastershot gedreht wurde. Zuvor löste die Serie ihre Dialoge fast immer in Nahaufnahmen auf, um die Schauspielerei im Schnitt herzustellen. In dieser Szene braucht es das nicht, weil die klingonische Theatralik gute Schauspieler hervor bringt. The true test of a warrior is not without, it is within! Das kann man gar nicht sagen, ohne dass es stark klingt. Bei schwächlicher Wissenschaftlersprache übers Konfigurieren muss man hingegen schneiden.

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TNG 1.19 – Coming of Age

Während sich Wesley Crusher an der Aufnahmeprüfung der Sternenflotten-Akademie versucht, wird die gesamte Enterprise-Crew über Captain Picard verhört. Scheinbar wird Picard einer bösen Tat verdächtigt. Das führt zu allerhand Szenen, in denen die einzelnen Mannschaftsmitglieder ihre Loyalität für Picard erklären, wie super er ist und so. Da fiebert man natürlich mit. Der Grund für die Untersuchung wird nicht wirklich aufgeklärt, es bleibt also zum ersten Mal etwas im Unklaren.

Auch zum ersten Mal ist ein Shuttle zu sehen (die Innenbeleuchtung besteht noch aus schief angebrachten Lichterketten). Ein Teenager, der nicht zur Akademieprüfung zugelassen wurde, hat es gestohlen, sein Leben ist zerstört, er ist ein Loser. Nun ist er in Lebensgefahr, doch Picard rettet ihm das Leben, damit wir verstehen wie toll Picard ist. Am Ende bedankt sich der suizidale Teenager unterwürfig bei Picard. Dass der Leistungsdruck der Sternenflotte zu viel sein könnte, da kommt niemand drauf.

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TNG 1.18 – Home Soil

Die Enterprise orbittet einen Planeten, der gerade in Terraforming-Vorbereitungen steckt. Als die Enterprise Kontakt aufnimmt, kommt erst mal keine Antwort. Erst nach einigen Versuchen, meldet sich jemand. Ein bisschen, wie wenn man bei jemandem klingelt, der nicht aufmachen will, zum Beispiel bei mir. Der sich meldende Leiter der Terraforming-Kolonie will offenbar in Ruhe gelassen werden. Da schickt Picard sofort ein Bodenteam (mal wieder ganz Prime Directive). Schnell entdeckt die Mannschaft eine intelligente anorganische Lebensform, die im Sand des Planeten lebt und die schon bald die Enterprise in ihre Gewalt nimmt. Was aber nicht schlimm ist, denn um die Minikristall-Aliens zu schwächen, muss man nur das Licht dimmen. Die Kristalle bezeichnen Menschen als „ugly bags of mostly water“. Schade, dass man nicht erfährt, was in ihrer Kultur als schön gilt. Guter Moment, wenn sich Geordi um Data sorgt und schreit: Daaaataaaaa!

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Film

I’m Thinking Of Ending Things (2020)

In einer Zeit, als der neue Film von Super-Regisseur XY noch nicht standardmäßig auf einer Streaming-Plattform mülldeponiert wurde, sondern im Kino lief, wäre ein neuer quengeliger Charlie Kaufman-Film das zentrale Gesprächsthema in geisteswissenschaftlichen Lesekreisen gewesen. Diese Zeit ist aber um und so greift der Film in seinem verbitterten Kampf gegen die Kunstfeindlichkeit von Netflix zu pompösen Mitteln. Mit dem quadratischen 1,33:1-Format rebelliert er gegen die Widescreen-Monitore des Publikums und das Sound-Design ballert Schneeflocken wie Kanonenkugeln gegen die Windschutzscheibe, damit sich alle ärgern, die den Film mit der Soundausgabe ihres Laptops schauen. Im Glauben, das Publikum damit zu ungeteilter Aufmerksamkeit zu verführen, greift der Film außerdem tief in eine Wundertüte verwirrender Süßigkeiten: überlappende Dialoge, abgebrochene Voice-Over-Monologe, abrupte Schnitte, Positionswechsel, Identitätswechsel, Genrewechsel, Zeitsprünge, Alternativ-Gegenwarten, Alternativ-Schauspieler und zahlreiche Referenzen an Autoren, Bücher, Filme und Brandaktuelles.

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TNG 1.17 – When The Bough Breaks

Die Enterprise folgt mal wieder vorbildlich der Prime Directive, indem sie das Tarnsystem eines Planeten überlistet, der nicht gefunden werden will. Es handelt sich um das Volk der Aldeaner. Die Crew ist ganz erregt, denn um die hochentwickelten Waffen- und Tarntechnologien der Aldeaner ranken sich Mythen. Aber da die Aldeaner unfruchtbar sind, stehlen sie der Enterprise ein paar Kinder, darunter auch Wesley Crusher. Picard wird böse.

Regiert werden die Aldeaner von einem Supercomputer, der sich um all ihre Bedürfnisse kümmert. Also mal wieder eine Gottheit, die keine ist, und die die Enterprise zerstören muss, zumal sie radioaktive Strahlung absondert und die Ozonschicht des Planeten zerstört, was auch der Grund für die Unfruchtbarkeit der Aldeaner ist.

Nett ist, wie Wesley und seine Kitagruppe in den Hungerstreik gehen und wie Picard voller Abscheu ein kleines Mädchen auf den Arm nimmt. Erstmals werden die Kinder an Bord der Enterprise thematisiert. Auf der Enterprise hat sich das Konzept der Familie total mit den Zielen und Werten der Föderation identifiziert, auf dass der Strom an neuen Rekruten nie ablässt.

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TNG 1.16 – Too Short A Season

Es ist ein Kampf, hier die Augen offen zu halten. Anfangs lustig, wie ein junger Mann (Clayton Rohner) in Faltenmaske einen uralten spielt. Beide, Maske und Schauspieler, erzeugen ein Uncanney Valley. Rohner bewegt seine Gliedmaßen von den Gelenken aus und den Rest lässt er hängen, als hinge er an Puppenspielerfäden. Die Geschichte um eine Geiselnahme: gähn. Und mal als Star Trek-Fan gesprochen: Wer will einen Fremdling beim Jungwerden sehen? Das hätte Picard passieren müssen, am Ende ein kleiner Junge mit Halbglatze auf dem Captainstuhl.

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TNG 1.15 – 11001001

Die Leistung der Enterprise-D, so Picard im einleitenden Logbucheintrag, übertraf bislang alle Erwartungen. Nun soll das Schiff für kleine Ausbesserungen ein paar Tage auf Raumbasis 74 andocken, einer riesigen und beeindruckenden Raumstation (danke, Bluray-Restauration!). Hier darf die Crew ein paar Tage urlaubieren. Riker und Picard haben also Sturmfrei, als plötzlich die Explosion des Warpkerns droht und die Enterprise programmiert wird, möglichst weit von der Raumbasis weg zu warpen. In dieser Folge werden Riker und Picard die Selbstzerstörung der Enterprise einleiten. Ein aufregendes Ereignis in jeder Star Trek-Serie, denn das Schiff ist die eigentliche Hauptfigur. Mit seiner Zerstörung droht das Ende der Serie und damit auch das Ende der alltäglichen Gewohnheit, die Serie zu schauen. Die Enterprise ist ein Bild für den Alltag auf der Suche nach dem Ungewöhnlichen.