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Always Shine (2016)

Zwei Freundinnen, Beth (Caitlin FitzGerald) und Anna (Mackenzie Davis), beide Schauspielerinnen, beide bald dreißig, fahren übers Wochenende in ein Waldhaus außerhalb von Los Angeles, um ihre Freundschaft zu beleben. Auf der Hinfahrt sprechen sie über Alltags-Themen, erzählen sich Anekdoten und reden über die Männerdominiertheit ihrer Branche. Schon ein Stopp in einem Restaurant enthüllt ihren Konflikt. Hier fragt die Kellnerin Beth nach einem Autogramm. Beth ist nämlich erfolgreicher als Anna und kann von ihrer Schauspielerei leben. Sie spielt in einer Bierwerbung mit, ist in einem Branchen-Magazin abgebildet und wurde kürzlich für die Hauptrolle in einem Horrorfilm gecastet. Sie gibt sich bescheiden und der Kellnerin das Autogramm. Doch dann weist Beth die Kellnerin darauf hin, dass auch Anna Schauspielerin ist und zwingt damit Anna, gegenüber der Kellnerin ihre Erfolglosigkeit auszusprechen. Solche Angriffe, für Außenstehende unsichtbar und für die Opfer nicht klar als Angriffe erkennbar (war ja vielleicht nicht böse gemeint), prägen die erste Hälfte des Films. Blitzhafte Einschübe kurzer Szenen (untermalt mit Gruselmusik und rückswärts sprechenden Stimmen) erinnern immer wieder daran, dass die Freundinnen Konkurrentinnen sind. Sie konkurrieren um Rollen in Werbungen und schlechten Horrorfilmen, um Männer, um Agenten, um Model-Jobs und um das Wichtigste: Schönheit.

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Star Trek: The Next Generation

TNG 4.10 – The Loss

Counselor Trois empathischen Kräfte und ihre „Weiblichkeit“ (Offenheit, Wärme, etc.) erinnern mich an die Theorien von Carol J. Clover aus dem Buch Men, Women, and Chainsaws: Gender in the Modern Horror Film (1992). Clover schreibt, dass Frauen in Okkult-Horrorfilmen die Funktion eines Portals haben, für jenseitige Wesen, die vaginal oder oral in die Frau eindringen. Clover nennt viele Beispiele: In Don’t Look Now (1973) kann die Séance erst weiter gehen, sobald Laura ihre Beine öffnet, statt sie zu überkreuzen. In Nightmare on Elm Street (1984), wenn Nancy in der Badewanne döst, film die Kamera ihr Gesicht durch ihre geöffneten Schenkel hindurch, die aus dieser Sicht wie die Flügeltüren eines Portals aussehen, vor dem nun Freddys Hand aus dem Wasser taucht. In Christine (1983) ist das Auto weiblich definiert und die Hauptfigur Arnie Cunningham wird anfangs mit „weiblichen“ Persönlichkeitsmerkmalen verknüpft (in der Schule nennt man ihn „Cuntingham“), was seine Besessenheit von Christine, die ihn zum „Mann“ macht, erst ermöglicht. In Carrie (1976) erscheinen mit Carries erster Regel auch ihre telekinetischen Kräfte, die Menstruation öffnet sie für das Übernatürliche. „Weiblichkeit“ ist hier das Medium für den Teufel, Schrecken in die Welt zu tragen. Troi passt gut zu Clovers Analyse, denn als Betazoidin ist sie zwangsoffen für alle möglichen „Spirits“ (siehe The Child, Clues, Night Terrors).

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TNG 4.9 – Final Mission

Wesley hatte in den letzten Folgen nicht mehr viel zu tun. Jetzt sagen wir Tschüs, und zwar im Rahmen einer Schuttle-Absturz-Episode. Die beste Shuttle-Absturz-Episode heißt The Flight of the Phoenix (1965). James Stewart, Richard Attenborough, Ernest Borgnine, Hardy Krüger, Peter Finch und andere in der Sahara, wo ihnen die Sonne unbarmherzig das Testosteron wegdunstet.

Final Mission geht nicht ganz so an die Substanz. Wir sehen Captain Picard aus Mangel an Wasser fast sterben und Wesley Crusher sich um ihn kümmern. Abgestürzt sind sie zusammen mit Captain Dirgo, der sich Captain nennt, obwohl er nur ein kleines Shuttle fliegt, was Picard und seine Crew dazu veranlasst, sich Blicke zuzuwerfen, die sagen: Hahaha, was für ein Idiot! Die Folge schmeichelt dieser Arroganz, indem sie Dirgo auf dem Wüstenplaneten zur größten Gefährdung für das Leben Picards erklärt. Wir kennen diesen Stereotyp aus vielen amerikanischen Horrorfilmen, in denen Großstädter von Provinzlern abgeschlachtet werden, weil der Wohlstand der Großstädte auf Kosten der Provinzler geht.

Jedenfalls bietet die Folge Krankenbettszenen, in denen sich Wesley und Picard ihre Gefühle gestehen. Zuvor eine Wüstenwanderung mit übersättigten Farben wie zehn Jahre später in Pitch Black (2000), Aufnahmen der grellen Sonne wie in Lawrence of Arabia (1962), lange Brennweiten, die den Raum so zusammen drücken, dass es aussieht als kämen die Figuren nicht voran, und einen netten Orchester-Score mit schneidenden Streichern und zyklischen Melodien, die das Brennen der Sonne und die Unendlichkeit der Wüste untermalen.

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TNG 4.8 – Future Imperfect

Nach Remember Me die nächste Twilight Zone-Folge. Riker erwacht aus einem Koma, sechszehn Jahre in der Zukunft, ohne sich erinnern zu können, wie er Captain der Enterprise wurde, graue Strähnchen bekam und einen Sohn (den er natürlich Jean-Luc nannte). Picard (mit Bart und etwas längeren Haaren gruselig) ist jetzt Admiral, Troi trägt Uniform, Geordi keinen Visor mehr, und so weiter. Natürlich ist das Ganze nur eine Charade und die Charade selbst entpuppt sich auch wieder als Charade. Am besten gefällt mir das Alien, das wie ein Halloween-Kind in ET aussieht.

Die spannendere Variante dieser Geschichte ist eine Akte X-Folge namens Field Trip, in der Mulder und Scully ihren Alltag halluzinieren, während eine fleischfressende Pflanze sie verdaut. Meine nächste teure Bluray-Box wird die Akte X-Box sein, irgendwann…

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TNG 4.7 – Reunion

Die erste Folge, bei der ich einschlief. Ich wachte aber immer wieder auf und bekam viel mit. Klingonen sind cool, aber Klingonenfolgen? Klingonen werden uns immer als kriegsgeil verkauft, aber eigentlich stehen sie immer nur im Halbkreis und reden über Ehre, Rache, Ruhm und Rituale. Immerhin gibt’s am Ende zwei blutige Tode, erstens Worfs Freundin K’Ehleyr (bekannt aus The Emissary), die ziemlich blutig und sogar vor den Augen ihres Sohnes stirbt (übrigens Worfs Sohn), zweitens der Mörder K’Ehleyrs, der nicht ganz so spektakulär von Worf getötet wird (endlich darf Worf jemanden töten). Seinen Sohn schiebt Worf an seine Adoptiv-Eltern ab (bekannt aus Family).

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TNG 4.6 – Legacy

Hier lernen wir Tasha Yars Schwester kennen, Ishara Yar, die eine coole Lederjacke trägt und später, als sie sich auf der Enterprise eingelebt hat, einen arschritzenengen Ganzkörperanzug, der Seven of Nine aus Voyager und T’Pol aus Enterprise vorweg nimmt. Data verknallt sich in Ishara, aber Ishara entpuppt sich als böse Verführerin wie aus einem Joe Eszterhaz-Drehbuch. Picard verwendet mal wieder sein Lieblingswort Magnitude. Do you realize the MAGNITUDE of…? ist sein Lieblings-Satzanfang.

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TNG 4.5 – Remember Me

Doktor Crusher wundert sich: Einzelne Crew-Mitglieder verschwinden. Niemand außer ihr findet das seltsam. Niemand außer ihr erinnert sich an die Verschwundenen. Diese Folge markiert das steigende Interesses der Autoren an Folgen, die weniger Sternenflotten-Langeweile und mehr Twilight Zone sind. Dafür ist wohl vor allem Brannon Braga verantwortlich, der sich 2020 mit Books of Blood seinen Traum einer Horror-Anthologie erfüllen konnte. Remember Me ist spaßig, aber auch hier hätte ich mir den B-Plot weg gewünscht (auch wenn der Zeitreisende aus Where No One Has Gone Before auftaucht). Wäre besser gewesen, Crusher dabei zuzusehen, wie nach und nach alles um sie herum verschwindet, bis nichts mehr da ist, von mir aus auch mit Alles-nur-ein-Traum-Ende. Die Voyager-Folge Course: Oblivion hat ein ähnliches Konzept und schürft tiefer. Das ist eine ziemlich irre Folge, denn am Ende löst sich die Voyager komplett auf, ist weg und dann kommt der Abspann.

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TNG 4.4 – Suddenly Human

Als die Enterprise ein Talarianer-Schiff in Not rettet, findet die Crew unter der Besatzung einen menschlichen Teenboy, der bei den Talarianern aufwuchs. Counselor Troi zwingt Picard eine Vaterrolle auf, was Picard für eine schlechte Idee hält, womit er Recht hat. Ethische Konflitke beginnen, ein Talarianer-Schiff taucht auf, das den Jungen zurück haben will, der Captain des Schiffs ist der Vater des Jungen, und so weiter und so fort.

Lustig ist, wenn Picard und Troi dem Vater und dem Jungen Privatssphäre geben, indem sie sich ein paar Meter weiter mit dem Gesicht zur Wand stellen und dann einfach ein paar Minuten im Hintergrund so da stehen. Sie verlassen nicht den Raum, nein. Sie stellen sich direkt vor die Wand, drehen sich zur Wand, starren an die Wand, mehrere Minuten lang. Das ist Blair Witch Project. Ich verlange ein Youtube-Video namens Picard and Troi staring silently at a wall for minutes EXPLAINED.

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TNG 4.3 – Brothers

Am besten ist der Anfang, wenn Data plötzlich verrückt wird und alle wie selbstverständlich die Brücke verlassen, als ob es dafür ein Protokoll gebe. Doch wenn Data, nach einer Reihe von gescheiterten Versuchen ihn aufzuhalten, auf einen Planeten beamt, um seinen Erbauer, Dr. Noonien Soong, zu besuchen, wird daraus ein langweiliges Familientreffen, das auch durchs Auftauchen des bösen Lore kaum spannender wird. Für Brent Spiner-Fans sicher toll, weil er spielt alle drei Rollen.

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TNG 4.2 – Family

Family ist der Epilog zu The Best of Both Worlds, in dem Picard seine Familie in Frankreich besucht, Wesley mit seinem toten Vater abschließt und Worfs Eltern ihn auf der Enterprise besuchen, was Worf natürlich erst nervt, aber später findet er es doch gut und die Eltern freuen sich. Die Konfrontation zwischen Picard und seinem Bruder ist uninteressant, aber irgendwie hat es mich doch ergriffen, wie er ihm unter Schlamm und Tränen gesteht, dass seine Zeit bei den Borg ihn gebrochen hat. Und der arme Riker wurde vom Captain wieder zum Ersten Offizier degradiert.