Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 1.6 – Where No One Has Gone Before

Das erste Highlight. Die Enterprise warpt an den Rand des Universums, der aussieht wie eine Unterwasserhöhle und Gedanken real werden lässt. Was zu trippigen Szenen führt: Crew-Mitglieder streicheln ihre Haustiere, tanzen Ballett, spielen Orchester, Picard trifft seine „Maman“. Also es gibt viel zu sehen.

Die Figur des Reisenden, die für diesen Trip verantwortlich ist, wird von Eric Menyuk gespielt, eine tolle Besetzung. Seine Statur ist dünn und zerbrechlich, sein Gesicht strahlt Gnade und Wärme aus und eine bedingungslose Wertschätzung gegenüber alles und jedem. Laut Wikipedia war er auch im Rennen für die Rolle des Data. Für den Androiden suchte man also offenbar nach einem Schauspieler mit weichen Gesichtszügen, wie sie ja auch Brent Spiner hat. Im Finale dieser Folge ist die Crew jedenfalls hypnotisiert von der Freundlichkeit des Reisenden. Alle lächeln einander an, geeinigt durch den Glauben, dass der Reisende sie wieder zurück bringt. Das ist bemerkenswert, da die Crew sich hier freiwillig auf das Mantra „positive Gedanken“ reduziert. Ein esoterischer Moment im ach so wissenschaftlichen The Next Generation.

Wichtig ist auch die Beziehung zwischen dem Reisenden und Wesley Crusher, da sie sofort Freunde werden und der Reisende Wesleys Potenzial erkennt (er vergleicht ihn sogar mit Mozart). Er rät Picard, Wesley zu fördern und Picard macht ihn direkt zum Fähnrich. Früher hat mich Wesley eher gestört. Seine deutsche Stimme hatte diesen Überenthusiasmus, den amerikanische Teenager in deutschen Achtziger-Synchronisationen meist hatten. Im Original wirkt Wesley kompetent und neugierig.

Dies ist jetzt eine meiner Lieblingsfolgen. Mag auch daran liegen, dass ich sie spät nachts bei lautem Sound an die Wand projiziert hab und dass die Bluray-Restauration die Abenteuerlichkeit dieser Folge betont. Die Effekte während der Überwarp-Geschwindigkeit sind bunte wirbelnde Schlieren und der Sound macht Eindruck.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 1.5 – The Last Outpost

Das erste Mal Ferengi. Sie haben Laserpeitschen, tragen Nagellack, sind gierig und ihr Kampfstil ist, den Gegner anzuspringen, rumzuzappeln und Gnagnagna zu sagen. Die Enterprise-Crew reagiert herablassend. Riker stellt sich einem Ferengi so vor: Ich bin Commander William Riker, erster Offizier der USS Enterprise. Sie müssen noch viel lernen! Und Captain Jean-Luc Picard muss den Ferengi wie kleinen Kindern erklären, was Vertrauen und Zusammenarbeit sind. Überhaupt gibt es mehrere kindische Motive in der Folge: (1) Die Ferengi selbst wirken wie eine Bande kleiner Jungs, die sich für schlau halten, inklusive kindischem Herumgespringe. (2) In einer Szene verscheucht Riker ein paar Jungs aus dem Konferenzraum und sagt zu Picard: Boys will be boys, captain! Vielleicht eine Parallele zu den Ferengi. (3) Data verfängt sich in einer Fingerfalle und Picard muss die Finger retten. (4) Data probiert die menschliche Floskel „something to write home about“ in falschem Kontext an Picard aus, der nur die Stirn runzelt und weg geht. Am besten gefiel mir wieder Worf. Er ist stoisch und völlig verwirrt über das Verhalten der Crew. Bislang wirkt er wie ein kritischer Beobachter der Serie.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 1.4 – Code of Honour

Die Enterprise begegnet einer unterentwickelten Alienrasse, den Ligonianern. Der Anführer der Ligonianer findet Tasha Yar heiß, weil sie so gut Aikido kann, und entführt sie. Damit Yar wieder frei kommt, muss sie gegen die Frau des ligonianischen Anführers kämpfen, auf Leben und Tod. So ist es in der ligonianischen Kultur Brauch. Die Enterprise könnte Yar befreien, aber das macht sie nicht, wegen der Prime Directive. So ist es bei der Föderation Brauch. Am Ende kämpft Yar gegen die Frau des Anführers und tötet sie. Doch die Enterprise beamt die Tote sofort hoch und belebt sie wieder, denn das war die ganze Zeit der Plan. Dies ist ein frühes Beispiel dafür, wie die Föderation bürokratische Lücken nutzt, um Abkommen mit fremden Kulturen zu brechen.

Die Folge gilt als extrem schlecht, weil die Ligonianer alle von schwarzen Darstellern gespielt werden. Das ist natürlich rassistisch, besonders vor dem Hintergrund der Produktion (kann man nachlesen). Über Star Trek und Rassismus kann man viel sagen. Immerhin ist das Ziel der Föderation, die gesamte Galaxie zu kolonisier-, äh, zu „teilen“ (to share the universe). Damit das funktioniert, werden alle Lebensformen, die nicht menschlich sind, auf wenige Stereotype reduziert. Ferengi sind immer profitgeil, Klingonen aggressiv, Vulkanier logisch, Romulaner hintertrieben. Auch die Prime Directive spielt hier eine Rolle. Die Prime Directive ist eine brillante sprachliche Täuschung. Wenn man sich nicht in die Angelegenheiten anderer Völker einmischen will, warum tut man es dann in so ziemlich jeder Folge? Warum breitet man sich wie ein Virus im All aus und drückt allen anderen Lebewesen seine Werte auf? Das wird bestimmt noch oft Thema werden.

Katharyn Powers, eine Autorin an dieser Folge, schrieb übrigens später die Stargate-Folge Emancipation. Dort trifft die Stargate-Crew auch auf eine zurück gebliebene Zivilisation, in der Frauen keine Rechte haben. Lustigerweise sind Emancipation und Code of Honour die jeweils vierte Folge ihrer jeweiligen Serien.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 1.3 – The Naked Now

Das ist die Folge, in der die Crew wegen einer mysteriösen Strahlung (oder so) besoffen wird und wilde Orgien feiert. Heute ist das lustig zu sehen, aber es ist eine seltsame Idee für die erste reguläre Folge einer Serie. Die Charaktere sollen komödiantisch aus ihren Rollen fallen, obwohl wir noch gar nicht wissen, welche Rollen sie überhaupt spielen. Berühmt ist die Folge, weil Data und Sicherheitschefin Tasha Yar miteinander schlafen. Interessant für Roboter-Ethiker ist, wenn Yar ihm am Ende sagt, „It never happened“, und einfach weg geht. Ist das okayes Verhalten, weil Data keine Gefühle hat? Oder hätte Yar ihn hier wie einen gleichwertigen Menschen behandeln sollen? Und was ist überhaupt mit dem ganzen Sex unter Alkohol? Wie macht die Crew das im Nachhinein miteinander aus? Wird es Anzeigen geben?

Ich mochte die Folge immer. Sie war mein ernsthafter Einstieg in die Serie, damals im Rerun auf Kabel 1. Diesmal fiel mir vor allem Worf auf. Er ist der beste Gag der Folge, denn er ist völlig unbeeindruckt über das Abgleiten der Crew in den Wahnsinn. Für ihn sind Menschen eh bekloppt.

Kategorien
Star Trek: The Next Generation

TNG 1.1 + 1.2 – Encounter At Farpoint

In diesem 90-minütigen Pilot ist es schön zu sehen, wie sich die Figuren das erste Mal begegnen. Wie Riker zum ersten Mal das Schiff betritt, wo ihn sofort ein weiblicher Fähnrich umgarnt, die erste Begegnung zwischen ihm und Data im Holodeck-Wald, Wesley Crushers Sturz in den Fluss, und so weiter. Auch Q taucht das erste Mal auf und setzt, wie meistens, eine wenig interessante Handlung in Gang. Größtes Highlight ist die Abkopplung der Untertassensektion. Das wird sogar mit der abenteuerlichen Intro-Musik untermalt.

Lustig ist das uneinheitliche Design. Die Uniformen, die Sets, die Frisuren sind nicht aus einem Guss. Gut gefiel mir eine blonde Frau mit Fönfrisur, die in einer Szene im Hintergrund für die Kamera posiert wie in einer Achtziger-Werbung. Counselor Troi fällt auch auf, denn ihre Uniform ist eine Art Föderations-Nachtkleid, das so kurz ist, dass sie ihren Hintern beim Sitzen komplett entblößt. Ein paar andere Crew-Mitglieder tragen auch solche Uniformen, nicht nur Frauen, auch Männer. Erniedrigende Uniformen für niedrige Ränge. Man kann sich vorstellen, dass solche Uniformen den Aufstiegs-Druck fördern. Ein kurzer Einblick in die unbarmherzige Leistungsgesellschaft, die Star Trek als Utopie verkauft. Schon in den nächsten Folgen trägt Troi ihre eigene Kleidung und alle haben ein Recht auf Hose.

Die Blurays sind fantastisch. Wie viele Serien der Achtziger und Neunziger wurde Star Trek: The Next Generation auf Film gedreht, aber die Filmaufnahmen wurden auf Video übertragen, um sie leichter schneiden und mit Effekten versehen zu können. Viele Details in Sets, Kostümen, Maske und Kameraarbeit wurden dadurch im Keim erstickt. Die Bluray-Restauration macht diese Details zum ersten Mal sichtbar. Für die Restauration wurde das Original-Filmmaterial neu in HD abgetastet. Viele Effekte mussten neu produziert werden, da die alten nur in geringer Auflösung vorlagen. So mussten jeder Planet neu gezeichnet und viele Computereffekte neu erstellt werden. Die Serie sieht nun aus, wie sie wahrscheinlich ausgesehen hätte, wenn es 1987 HD-Fernseher gegeben hätte.

Kategorien
Film

Tenet (2020)

In Tenet geht es um eine Superwaffe, die es möglich macht, rückwärts durch die Zeit zu laufen. Betonung liegt auf Laufen, denn es ist kein Sprung hin zu einem bestimmten Punkt in der Zeit, sondern man läuft tatsächlich in der Zeit rückwärts, also gegen den Vorwärtsgang der Zeit. Das ist, als würde man eine Rolltreppe, die runter fährt, hoch laufen. Oder als würde man diesen Text hier rückwärts lesen. Oder als würde man vorwärts durch einen Film laufen, der rückwärts abgespielt wird.