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Star Trek: The Next Generation

TNG 4.22 – Half a Life

Die vierte Lwaxana Troi-Folge (nach Haven, Manhunt, Ménage à Troi) beginnt mit einem Logbucheintrag von Counselor Troi, der nur aus der Information besteht: My mother is on board. Als nächstes sehen wir Picard, der vorsichtig aus dem Turbolift tritt und sich umschaut. Da kommt schon Lwaxana um die Ecke und plappert ihn voll. Doch die Folge bricht schnell mit dem Exzentrische-Frau-Stereotyp, den Lwaxana vorher immer verkörperte, und macht sie zur Hauptfigur einer tragischen Liebesgeschichte. Sie verliebt sich in einen Mann namens Timicin, der vom Planeten Kaelon II kommt, auf dem es offenbar keine Rente, keine Altenpflege, kein Sozialsystem gibt, dafür aber eine Tradition namens Resolution, nach der alle Bewohner im Alter von 60 Jahren Selbstmord begehen, um ihren Kindern nicht zur Last zu fallen. Für die Bewohner ist das seit Jahrhunderten normal, doch Lwaxana findet es furchtbar und sie will Timicin überzeugen, auf der Enterprise zu bleiben und mit ihm alt zu werden.

Nun wird natürlich in langen Dialogen erörtert, ob die Bräuche fremder Kulturen zu respektieren sind oder nicht. Zwischenzeitig erbittet Timicin Asyl auf der Enterprise. Doch er ändert seine Meinung, als die Regierung von Kaelon II droht, wegen ihm einen Krieg mit der Sternenflotte zu beginnen. An dieser Stelle zeigt sich, dass die Resolution nicht der kulturelle Brauch ist, als der sie in der Folge diskutiert wird, sondern ein Politikum. Die Regierung erstickt offenbar jedes Aufbegehren gegen die Resolution im Keim. Wenn in TNG über fremde Kulturen gesprochen wird, dann meist nur im Sinne von völkischen Bräuchen. Die politischen Dimensionen und damit die Ideologien, die hinter diesen Bräuchen stecken, klammert die Serie dabei aus. Das an sich ist wiederum Brauch in rentenrepublikanischen Ländern wie Deutschland, wo Rentner per Gesetz immer stärker in die Armut getrieben werden. Gut möglich, dass schon in wenigen Jahren der Lebenswille von Rentnern stark sinken wird. Daher ist die Folge interessant zu sehen, da sie offen ausspricht, dass die Lösung darin besteht, die Rentner komplett los zu werden und zugleich (aus Versehen) zeigt, wie solche Lösungen sich ideologisch hinter Begriffen wie „Kultur“ und „Tradition“ tarnen.

Ähnlich ist es in der Zukunfts-Dystopie Logan’s Run (1976), in der sich jeder Mensch an seinem dreißigsten Geburtstag töten lassen muss, im Glauben an seine Wiedergeburt. Auch interessant ist 2030 – Aufstand der Alten (2007), ein vom ZDF produzierter Pseudodoku-Thriller, in dem die deutsche Regierung die Rentner in geheime Massenlager transportieren lässt, wo sie nur noch am Tropf hängen, der ihnen für den Rest ihres Lebens Beruhigungsmittel und Nahrung zuführt. Für dieses Horrorszenario wurde der Film kritisiert, zu unrealistisch, zu sehr Kolportage, aber genau deshalb stach er im furchtbaren deutschen Fernsehen heraus.