The Birds (1963)

Ich kann The Birds immer wieder schauen, ohne jedes Mal den gleichen Film zu sehen. Besonders gut gefällen mir die ersten 120 Minuten. Ich mag, dass die Geschichte keine Metaphorik besitzt. Zombies lassen sich zum Beispiel als Spiegel der Konsumgesellschaft oder so etwas deuten, was bestimmt legitim ist, aber für mich als Horrorfan uninteressant. Vor einer Metapher fürchte ich mich nicht, vor tausend Killervögeln schon. Sicherlich lässt sich viel in diese Vögel hineindeuten. Immerhin wird das Verhältnis zwischen Menschen und Vögeln umgedreht: Die in ihren Häusern verbarrikadierten Menschen sind wie Vögel in Käfigen. Aber in erster Linie sind die Vögel einfach böse, und nicht Überbringer langweiliger Botschaften wie „Die Menschen müssen besser mit der Natur umgehen.“ Spaßig finde ich die Vorstellung, dass die bösen Vögel Ausdruck von Mitchs eifersüchtiger Mutter sind, die ihren Sohn für sich behalten und Tippi Hedren die Augen auskratzen will. Am Ende ist Tippi kaputt gehackt, traumatisiert, ihre Schönheit und Stärke zerstört. Für Mitchs Mutter ist sie jetzt keine Konkurrenz mehr, und so nimmt sie sie in die Arme, und die Vögel sind nur noch eine stille Drohung, aber jederzeit zuhackbereit. Die Beziehung zwischen Mitch und seiner Mutter hat etwas Inszestiöses. Er nennt sie Darling. Wird eigentlich mal gesagt, wer genau die Eltern der kleinen Cathy sind? Ist sie vielleicht ein Inszestkind? Vielleicht wird das in einem der Dialoge erwähnt, aber ich hörte da selten richtig zu. Die Dialogszenen sind dröge, aber dazu sind sie da: sie verlangsamen den Film, damit die Vogelangriffe aggressiver wirken. Am besten gefallen mir die stummen Szenen, besonders wenn sich Tippi Hedren am Anfang im Boot vor Mitch versteckt, oder wenn die Vögel am Ende das Haus belagern und Tippi Hedren sich auf der Couch zusammen kauert – ein schauerlicher Moment. Die Vogelangriffe selbst machen nichts mit mir, außer der am Ende auf Tippi Hedren, der hat eine garstige Energie. Ich bin kein großer Fan des Films, aber Hitchcocks unheimliches Formbewusstsein sorgt dafür, dass ich mich hin und wieder zu dem Film hingezogen fühle und meine Augen keine Sekunde abwenden kann.