Junun

Junun

Jonny Greenwood ist nach Indien geflogen, um sein neues Album Junun aufzunehmen. Paul Thomas Anderson hat den Prozess gefilmt. Bei diesem Album spielen viele zusammen: E-Gitarren, Beatprogramme, Flöten, Trompeten, Trommeln, meditative Gesänge, ein Harmonium und andere. Aufgenommen wird in einer Festung. Die Musiker tragen respektvolle Kleidung. Die Kamera schwenkt und fokussiert zwischen den Musikern hin und her. Ein Mal stellt Anderson die Kamera um und alles wackelt. Jeder andere hätte das raus geschnitten, aber er will die Musik nicht unterbrechen, er will dabei bleiben und gespannt lauschen. Anderson ist in diesen Aufnahmen immer präsent, wie er die Kamera bewegt, wie er den Fokus verschiebt oder wie er das Sonnenlicht sich auf der Linse brechen lässt. Er sucht etwas, vermutlich sucht er nach Schönheit. Wie er danach sucht, kann man in Junun beobachten. Das ist zum einen interessant, weil dies ein Digitalfilm von jemandem ist, für den die Schönheit des Films mit dem Filmstreifen einher geht. Ich weiß nicht, wie viel in Junun farbkorrigiert wurde, aber es sieht nicht nach viel aus. Die Aufnahmen sind nicht so klinisch wie die der meisten Digitalfilme. In mathematischer Perfektion liegt für Anderson keine Schönheit. Seine Schwenks sind unsauber, sein Fokus ist off. Zum anderen ist dieser suchende Blick auch deshalb interessant, weil er auf Musiker gerichtet ist, die selbst nach etwas in ihrer Musik suchen und auch dieses Etwas ist ein Geheimnis, das sich weder in Worte fassen, noch filmen lässt. Die Musik ist irgendwie magnetisch, die Melodien gehen ins Ohr, der Klang ist wie ein Teppich, auf den man spontan drei Stunden liegen bleibt. Besonders faszinierte mich die Aufnahme aus dem obigen Screenshot. Die Sängerin ist sehr konzentriert und doch scheint etwas von ihr Besitz ergriffen zu haben, das dafür sorgt, dass sich ihre Gesichtszüge unkontrolliert bewegen (eine Folge der komplexen Muskelanspannungen beim Singen). Und die Art, wie diese Gesangseinlage gefilmt ist (Jonny Greenwoods Flöte im Vordergrund, dann wird in den Hintergrund fokussiert, wo die Sängerin zu singen beginnt) – das ist einer dieser schönen Filmmomente, nach denen Anderson sucht: geheimnisvoll, rhythmisch, intim und irgendwie außer Kontrolle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.